17 Aug

Ehrenamtliche Mediation in Schulen

veröffentlicht 17. August 2018 abgelegt unter Allgemein, Aus- und Weiterbildung, Erfolgreich am Markt - Best Practice, Mediation

Einblick in die Arbeit der Seniorpartner in School

Der Verein „Seniorpartner in School“, kurz SiS, bietet sich an, bei Konflikten von Schülern mit Lehrern, anderen Schülern, Sozialarbeitern oder Eltern zu vermitteln.

Gerade ist Gabriele Sonnek in die Rolle eines bestimmten Lehrers geschlüpft. Sie scheint jetzt gehetzt und mit anderen Gedanken beschäftigt. Der Schüler, der ihr gegenüber sitzt, will herausfinden, wie er diesen Lehrer, mit dem er Probleme hat, am besten ansprechen kann. Er fühlt sich von ihm schlecht behandelt, übergangen und glaubt, seine schlechten Noten hingen damit zusammen, dass der Pädagoge ihn nicht leiden kann.

1. Versuch: „Äh, ich habe ein wichtiges Problem, das muss ich jetzt mit Ihnen besprechen.“ Dieser Ansatz sei nicht so passend, wenn er damit auf sich aufmerksam machen will, kommentiert die Mediatorin. Sie rät dazu, auf den richtigen Zeitpunkt zu achten: Den Lehrer nicht zwischen Tür und Angel anzusprechen, sondern ihn besser um einen Termin zu bitten.

2. Versuch: Gabriele Sonnek wirkt wieder gehetzt als stünde sie unter Strom: Der Schüler fragt vorsichtig: „Entschuldigung, könnte ich bitte einen Termin haben. Ich möchte gerne mit Ihnen etwas Wichtiges besprechen.“ So müsste es gehen. Das Rollenspiel in einem nüchternen, kleinen Raum einer Berliner Schule war hilfreich.

SiS – ein Projekt der Generation 55+

Gabriele Sonnek arbeitet als Mediatorin im Verein „Seniorpartner in School“ in Berlin. Mit ihren 71 Jahren und ihrer reichen Lebenserfahrung, als Lehrerin und mit ihrer Ausbildung zur Mediatorin, unterstützt sie Schüler und Schülerinnen, wie sie am besten vorgehen können, wenn sie Konflikte haben. Zum Beispiel, wie sie mit Lehrern ins Gespräch kommen und ihre Probleme lösen können.

Auch Wolfgang Barenberg, Sonnecks Partner und ebenfalls Mediator, ist mit im Raum. Er ist 76, ein früherer Marine-Offizier. Als Beobachter der Szene wertet er das Rollenspiel aus und gibt Tipps, wie man Konflikte zufriedenstellend und gewaltfrei lösen kann.

1.200 ehrenamtliche MediatorInnen sind bundesweit in Schulen tätig

Seniorpartner in School – Bundesverband e.V. zählt über 1.200 Mitglieder. Sie stellen ehrenamtlich ihre Zeit und Lebenserfahrung, ihre Geduld und Einfühlung für die jungen Menschen – ihre Enkelgeneration – zur Verfügung. Die Seniorpartner sind da für alle Themen des Schul- und Schüleralltags: Mobbing, Konkurrenzdenken, Hänseleien, Liebeskummer, Cliquen-Rivalitäten, Konflikte in der Familie. Der Verband ergänzt das schulinterne Angebot für Schülerinnen und Schüler und unterstützt das Beratungsnetzwerk in Schulen.

Sprechstunde: einmal in der Woche 4-6 Stunden

Die Seniorpartner kommen im Team zu zweit ein Mal in der Woche für 4-6 Stunden in die Schule. Die einzelnen Gespräche dauern durchschnittlich eine Stunde. Wenn es nicht reicht, gibt es Folgetermine. Es kann auch Termine mit einer ganzen Klasse geben. Unterstützung dafür erfahren die Mediatoren auch von der Schulleitung.

Was sind die Probleme und wie werden sie gelöst?

© fotolia | HighwayStarzHäufig geht es um Cliquenbildungen, die die gesamte Atmosphäre in der Klasse vergiften. Aber auch um Probleme wie Zwangsverheiratungen oder interkulturell bedingte Missverständnisse. Es geht um Mobbing und Cybermobbing. In vielen Fällen können die Mediatoren etwas bewirken, die Situationen entspannen, mediieren, ggf. auch die zuständigen Behörden wie das Jugendamt einschalten – doch oft reicht auch einfach nur empathisches Zuhören.

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/ehrenamtliche-mediatoren-an-der-schule-die-gehen-anders-raus-als-sie-reingekommen-sind/22742928.html

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