10 Feb

Gelungene Integration erhöht Konfliktpotential

veröffentlicht 10. Februar 2018 abgelegt unter Aktuell, Allgemein

Diese interessante These stellte der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani am 2. Februar 2018 im Fachforum „Integration durch Wohnen“ in Potsdam auf.

Gelingende Integration, so El-Mafaalani, bringe mit sich, dass die Menschen an gesellschaftlichen Prozessen teilhaben wollen und mitgestalten wollen. Und je mehr Menschen mitreden und mitentscheiden wollen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es auch zu Konflikten kommt.

Konflikt als Chance

Konflikte beschleunigen den sozialen Wandel und bringen zusätzliche Aspekte ein. So eine dynamische Entwicklung bildet einen Grundstein für Modernisierung und Fortschritt. Der Politikwissenschaftler geht davon aus, dass durch gelungene Integration das Stresspotential in einer Gesellschaft steigt. Aber diese Konflikte sieht er als Motor für sozialen Wandel.

Integration ist weitgehend gut gelungen

Fotolia_100092625_Subscription_Monthly_MStatistiken weisen nach, dass die Integration von Migranten heute weit besser gelingt als noch vor 50 oder 40 Jahren, als die ersten Gastarbeiter ins Land kamen. Gelungene Integration macht sich vor allem bemerkbar auf dem Arbeitsmarkt, der Wohnsituation, der Bildung oder bei den Sprachkompetenzen.

Migrationskritikern und Parteien wie der AfD hält er entgegen, dass erst eine nicht gelungene Migration negative Effekte wie das Anwachsen von Kriminalität mit sich bringe, weil dies die Menschen an der Teilhabe der Gesellschaft ausschließe. Dass Menschen glauben, dass es mit der Einwanderung aktuell nicht gut läuft und gewisse Ängste entwickeln, erklärt er mit falschen Erwartungen und einem fehlenden nüchternen Blick auf die aktuelle Situation. Eine gelungene Integration sei nicht gleichzusetzen mit einer harmonischen Gesellschaft. „Konflikte bedeuten nicht, dass Integration nicht klappt. Im Gegenteil, die Integration läuft schon ganz schön gut“.

Regionale Unterschiede

Dazu gibt es regionale Unterschiede und Einschätzungen. Die alten Bundesländer haben bereits in den 70er und 80er Jahren Integrationserfahrungen gemacht. Die neuen Bundesländer werden erst seit der Flüchtlingskrise mit diesen Anforderungen konfrontiert.

Auch trifft es nicht zu, dass weniger Migranten einen Integrationsprozess erleichtern. Wirtschaftlich bedeutende Großstädte weisen den stärksten Migrantenanteil auf. Und es hat dort nicht zu verschärften Problemen geführt.

Wie kann Integration gelingen?

Eine wichtige Grundlage für das Gelingen von Integration ist für El-Mafaalani der konstruktive Umgang mit Konflikten. Es brauche keine Leitkultur, wie es von vielen Seiten gewünscht wird. Es brauche lediglich eine Einigung darüber, wie man mit Konflikten umgehen möchte, um das kreative Potential dieser Konflikte auszuschöpfen. Und das hält er für umsetzbar.

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten, PNN-Interview: Migration in Deutschland „Konflikte sind wunderbar“ von Sandra Calvez, 2.2.2018.

Link: http://www.pnn.de/potsdam/1254727/

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