03 Jan

Kein Konflikt ist militärisch lösbar

veröffentlicht 3. Januar 2018 abgelegt unter Aktuell, Allgemein, Verhandlung

In einem Interview über Kriegsursachen, Konflikte und deren Zusammenhang mit Religionen spricht der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche, Renke Brahms, mit Joerg Helge Wagner vom Weser-Kurier. Der Pastor ist seit fast neun Jahren in diesem Amt und bezeichnet sich selbst als Verantwortungspazifisten.

Befragt nach dem vergangen Jahr beschreibt er es als schlimmes Jahr mit vielen Konflikten, Kriegen und schlimmen Fotos aus Kriegsregionen.

Gezählt von der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung der Uni Hamburg gab es in 2017 31 Kriege, in 2016 waren es 32 Kriege. Den Zahlen nach eher gleichbleibend. Dennoch sieht er auch hoffnungsvolle Entwicklungen zum Beispiel in Kolumbien, auch die Zahl der hungernden Menschen konnte gesenkt werden, das Jahr 2017 hielt für ihn die Waage zwischen Hoffnung und besorgniserregenden Entwicklungen zum Beispiel in de Aufrüstung.

Religionen als Ursache von Konflikten

Auch wenn Religion oft als Ursache von Konflikten und Kriegen gesehen wird, ginge es am Ende allein um die politische Vorherrschaft. Religion würden oft dazu missbraucht. In Syrien mischten sich zum Beispiel religiöse Gruppierungen, weitere Staaten und Weltmächte ein und fechten lokale, regionale und globale Stellvertreterkriege aus.

© fotolia | Pixelbliss

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Pastor Brahms ist davon überzeugt, dass gewaltsame Konflikte nicht mit militärischen Mitteln gelöst werden. Militärische Einsätze schaffen höchstens Raum, in dem ein Frieden entwickelt werden kann. Militärs sagten ihm, dass ihr Anteil bei einer Konfliktlösung bei ca. 20 Prozent liegt. Friedensentscheidend seien die Herstellung von zivilen und staatlichen Strukturen, Entwicklungszusammenarbeit, Aufbau der Wirtschaft. Und er verweist beispielhaft auf Afghanistan.

Befragt, wie man Gruppierungen wie den IS, die Taliban oder Boko Haram unschädlich machen kann, schlägt er vor, mehr interreligiöse Dialoge zu führen, um die Deutungshoheit nicht diesen Gruppierungen zu überlassen. Auch Prävention ist für ihn extrem wichtig. Das deutsche Zentrum für internationale Friedenseinsätze oder der Zivile Friedensdienst leisteten hier gute Arbeit.

In US-Präsident Trump sieht er ein sicherheitspolitisches Risiko. Mit seiner verbalen Eskalation zum Beispiel gegenüber Nordkorea bewirke er eine weitere militärische Aufrüstung und steigere damit eine allgemeine Kriegsgefahr.

Weiter Themen, die im Interview behandelt werden: konservative Christen, die Trump unterstützen, Kritik an deutschen Waffenexporten oder Atomwaffenverbot lesen Sie >> hier

Das ganze Interview: https://www.weser-kurier.de/deutschland-welt/deutschland-welt-politik_artikel,-kein-konflikt-wird-militaerisch-geloest-_arid,1683026.html

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