14 Jul

Kleine Gebrauchsanweisung für Narzissten*

veröffentlicht 14. Juli 2016 abgelegt unter Aktuell, Allgemein, Mediation

Sie sind nach außen souverän, selbstbewusst, wortgewandt und cool – und drehen sich v.a. um eines: sich selbst. Mit sonst erfolgreichen Gesprächstechniken und Verhaltensweisen stösst man bei Narzissten oft auf Granit. Nicht selten arbeiten Menschen sich an einem narzisstischen Kollegen oder Partner “ab” – Partner/innen von Narzissten werden häufiger chronisch krank als andere Menschen. Das liegt vor allem daran, dass Narzissten permanent das Selbstwertgefühl ihres Gegenübers attackieren, indem sie diese abwerten.

 

Narzissten “ticken” anders als andere. In Coachings stellen mir betroffene Mitmenschen daher häufig die Frage:

Wie soll ich mit dem Narzisst in meinem Umfeld so umgehen, dass er mich am wenigsten Nerven kostet?

  1. Geben Sie den Glauben auf, den Narzissten ändern zu können. Er kann und wird sein Verhalten nicht als unrecht empfinden. Das einzige was Sie ändern können ist Ihre eigene Einstellung und Ihr Verhalten.
  2. Minimieren Sie soweit möglich den Kontakt. Narzissten rauben Energie ohne welche zu geben.
  3. Hören Sie auf, sich selbst Schuldgefühle zu machen und das Problem im eigenen Verhalten zu suchen.
  4. Schrauben Sie Ihre Erwartungen herunter. Erwarten Sie nicht, dass ein Narzisst Ihnen wirklich zuhört (er hört sich zu gerne selber reden) und erwarten Sie v.a. niemals Dank und Anerkennung von einem Mensch mit einer narzisstischen Prägung. Narzissten empfinden kein echtes Mitgefühl.
  5. Achten Sie auf Ihre Grenzen und kommunizieren Sie diese deutlich und nachhaltig – Narzissten tendieren dazu andere zu vereinnahmen, um Macht auszuüben.
  6. Vertrauen Sie dem Narzissten nicht – Ihre Gefühle interessieren ihn nicht.
  7. Narzissten sind berechnend und oftmals gierig. Zeigen Sie ihm daher immer seine Vorteile auf.
  8. Narzissten sind berechenbar. Sie neigen dazu, die immer gleichen Methoden mehrfach einzusetzen. Damit kann das Verhalten eines Narzissten für Sie vorhersehbar werden.
  9. Das Selbstwertgefühl von Narzissten ist – auch wenn es nach außen anders scheint – in Wahrheit sehr gering. Wenn Sie einen Narzissten auf Ihre Seite bekommen wollen – sprechen Sie ihm Ihre Bewunderung aus. Er wird diese aufnehmen wie ein ausgetrockneter Schwamm.
  10. Achten Sie im Kontakt mit Narzissten auf Ihre eigene Körpersprache. Gehen Sie aufrecht, mit ruhiger Atmung und selbstbewusst in kritische Gespräche mit Narzissten.
  11. Wenn ein Narzisst Sie kritisiert schalten Sie am besten auf “Teflonohr” und lassen Sie die Kommentare ohne “Haftung” durchziehen. Rechtfertigen Sie sich nicht. Ihre Sicht der Dinge interessiert ihn ohnehin nicht.

Noch ein Gedanke zum Schluss: Mit Narzissten ist es, wie mit einer dieser Kulissen in alten Westernfilmen: Sieht nach außen hin eindrucksvoll aus – aber es ist leider nichts dahinter. Armer Narzisst.

 

* In diesem Beitrag ist aus Gründen der besseren Lesbarkeit die männliche Form gewählt – wohl wissend, dass es auch weibliche Narzisstinnen gibt.

 

von Dipl.-Psych. Cordula Söfftge

Kategorien: Aktuell, Allgemein, Mediation

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2 Kommentare zu Kleine Gebrauchsanweisung für Narzisste ...

  1. Elke Kuhn says:

    Danke liebe Redaktion für diese gute Darstellung. Das sind sehr nützliche Tipps.

    Viele Grüße
    Elke Kuhn

  2. Roland Mey says:

    Die Hinweise der Diplom Psychologin Cordula Söfftge zum Umgang mit Narzissten sind hochinteressant und brauchbar (auch zur Selbstanalyse). Ich werde oftmals von Mitmenschen (insbesondere aus dem Familienkreis)als Narziss empfunden. Beispielsweise rede ich lieber, als dass ich zuhöre, oder – noch schlimmer – ich lese am liebsten meine eigenen Publikationen. Nachdem ich die 11 Söfftgeschen Narziss-Umgangskriterien interessiert zur Kenntnis genommen habe, hat sich in mir die Überzeugung entwickelt, dass ich kein “reiner Narziss” sein kann und “nur” ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein habe, was mich manchmal in die Nähe eines Narzissten bringt.
    Ich will die Leser der interessanten Söfftgeschen Internet-Texte mit diesem Kommentar nicht langweilen und verrate deshalb: Ich habe einmal einem Rechtsanwalts-Trio, das mich im Auftrag ihres Mandanten bezüglich eines nachbarlichen “Maschendrahtzaun-Problemes” gerügt und mir sogleich eine ordentliche Rechnung beigelegt hatte, mitgeteilt, dass ich “Beweisologie” – Theoretische Physik, vergessen wir’s, habe längst “keine tiefgreifende Ahnung” mehr – studiert habe, die Rechtsanwälte mich nun sinnlos beschäftigt hätten und meinerseits eine (stundenlohngenaue) Rechnung beigelegt. Die Rechtsanwälte haben mich darufhin nicht wieder angeschrieben! Bin ich nun ein Narziss oder nicht? Wenn ich das exakt feststellen lassen will, dann muss ich mich als Mandant der Frau Cordula Söfftge anvertrauen. Bei größer werdenden “Umwelt”-Problemen will ich genau das tun.
    Roland Mey

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