12 Jun

Kontaktabbrüche mit den Großeltern

veröffentlicht 12. Juni 2018 abgelegt unter Aktuell, Allgemein, Rubrik Familie, Rubrik Recht

Bei Trennungen, Scheidungen oder nach Familienstreitigkeiten sind oft auch die Großeltern Leidtragende. Aber auch Streitigkeiten über Erziehungsstile oder Erbstreitigkeiten können Ursache sein, wenn Eltern Großeltern den Kontakt zu den Enkelkindern verbieten oder zumindest stark einschränken. Etwa 150.000 Kinder in Deutschland dürfen ihre Großeltern überhaupt nicht sehen, weiß der Verein „Bundesinitiative Großeltern“.

Der Verein bietet Großeltern Unterstützung

Die „Bundesinitiative Großeltern“, kurz BIGE genannt, hilft Betroffenen mit dem Kontaktabbruch umzugehen. Anemie Wittgen, die Vorsitzende des Vereins hat einen Kontaktabbruch selbst durchlebt und weiß, wie sich das anfühlt. Sie erhält bundesweit an die 200 Anrufe im Jahr von Großeltern, die sie um Rat fragen.

Manche Eltern, auch Alleinerziehende übersehen in solchen Konfliktsituationen, wie wichtig Oma und Opa für die Kinder sind – und umgekehrt, wie Großeltern unter einer Trennung leiden können.

Mediationen könnten verhindern, dass es überhaupt so weit kommt

In der Euskirchener Selbsthilfegruppe, dem Sitz des Vereins, trifft man sich einmal im Monat in einer Selbsthilfegruppe. Wichtig ist für viele Betroffene, zu erfahren, dass sie mit solch einer Situation nicht allein sind. Man berät sich gegenseitig, zum Beispiel, wie ein Kontakt zu den Enkelkindern wieder möglich werden kann oder wie sie sich der Familie wieder annähern können. Anemie Wittge rät in vielen Fällen, einen Mediator oder eine Mediatorin einzubeziehen.

Witten fordert auch in Deutschland eine Mediation bei Trennungen zur Pflicht zu machen, wie es bereits in einigen europäischen Nachbarstaaten eingeführt ist,. Damit könne in manchen Fällen schon im Vorfeld verhindert werden, dass es überhaupt so weit kommt.

Kindeswohl ist immer im Vordergrund

Auch ist sie nicht zufrieden mit der Rechtslage. Großeltern haben zwar das Recht, ihr Enkelkind zu sehen. Doch Gerichte verweigern dies dennoch in manchen Fällen, zum Beispiel, wenn Großeltern und Eltern im Streit liegen und das Kind ins Fadenkreuz der Konflikte gerät. Die Gerichte fürchten dann, dass es massiv unter dem Verhalten der Erwachsenen leiden könnte. In solchen Fällen diene ein Besuch bei den Großeltern nicht dem Kindeswohl.

Großeltern können ein Umgangsrecht erklagen

Großeltern können auch über Gerichte ein Umgangsrecht erklagen. Am 31. Mai entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass nicht nur Eltern ein Umgangsrecht erwirken können, sondern auch andere Personen, wenn für die Kinder der Kontakt zu ihnen wichtig ist. Dies betreffe auch Großeltern.

Der Europäische Gerichtshof entschied, dass grundsätzlich die Gerichte am Aufenthaltsort des Kindes festlegen, wer das Umgangsrecht erhält. Diese Maßnahme soll laut dem EuGH das Kindeswohl schützen und sich widersprechende Entscheidungen durch unterschiedliche Gerichte vermeiden.

 

Quellen: https://www.saarbruecker-zeitung.de/panorama/wenn-oma-ploetzlich-verboten-ist_aid-23181133

http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=202411&pageIndex=0&doclang=DE&mode=req&dir=&occ=first&part=1

https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2018-05/umgangsrecht-grosseltern-entzug-verbot-urteil-eugh

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