11 Apr

Mediation und Medien

veröffentlicht 11. April 2018 abgelegt unter Aktuell, Allgemein, Mediation

Das interessiert unsere Leser nicht“, lautete die Antwort des Chefredakteurs einer großen Berliner Tageszeitung. Es ging darum, ob man eine Veranstaltung zum Internationalen Tag der Mediation am 18. Juni letzten Jahres in der Zeitung ankündigen könne. Ziel dieses Tages ist es, einer möglichst breiten Öffentlichkeit die Chancen und Vorzüge einer eigenverantwortlichen, auf gemeinsamem Gespräch beruhenden Lösung von Problemen und Konflikten – vornehmlich durch Mediation – näher zu bringen. Ohne Presse ist das kein leichtes Unterfangen.

Immerhin kamen doch an die 600 Besucher – auch ohne Presse. Irgend etwas haben die Organisatoren wohl richtig gemacht.

Doch was tun, um die Aufmerksamkeit der Presse zu erlangen? Mit Sex, Mord und Totschlag möchte man in Sachen Mediation nicht aufwarten.

Wie wäre es mit konstruktivem Journalismus?

Die Welt hat mehr als Krisen, Kontroversen, Unfälle und Unglücke zu bieten. In Dänemark gibt es seit Kurzem ein Institut für „Konstruktiven Journalismus“. Gründer Ulrik Haagerup, geht es darum, nicht nur auf Missstände in der Welt aufmerksam zu machen, sondern auch mögliche Auswege aufzeigen.

Das Anliegen des ehemaligen Nachrichtenchefs des dänischen Senders DR ist es, dass Journalisten sich mehr auf die Zukunft focussieren und ihre besondere Rolle in der Demokratie wahrnehmen. Eine gute Geschichte besteht seiner Meinung nach nicht allein aus Extremen und Konflikten, eine gute Geschichte sollte Lösungen aufzeigen, sollte Menschen inspirieren.

Nichts schwärzer malen, als es ist

Aktuell beobachtet er, dass Journalisten in ihren Berichten vermitteln, dass die Welt immer verrückter zu werden scheint. Entgegen der Fakten, die aussagen, dass Kriminalität, die Zahl der Verkehrstoten und der Kriegsopfer ständig sinken, haben die Menschen mehr Angst vor Terror und und Kriegen als noch vor 10 Jahren.

Um diesen Eindrücken entgegenzuwirken, reist Haagerup durch die Welt, um Vorträge über sein Verständnis von konstruktivem Journalismus zu halten. Zum Beispiel bei der Bekanntgabe von Arbeitslosenzahlen positive Beispiele hervorzuheben, bei dem Satz „Wir schaffen das“, die Frage mit aufzuwerfen: „Wie schaffen wir das?“. Es geht ihm auch um die Beachtung der drei klassischen Grundsätze des Journalismus: nichts totschweigen, nichts beschönigen, nichts schwärzer malen, als es ist.

Wie wäre es, wenn dieses Jahr am 18. Juni konstruktive Journalisten die vielfältigen Veranstaltungen zum Internationalen Tag der Mediation in Deutschland, Österreich und der Schweiz ankündigen und darüber berichten würden?

Mehr zu Ulrik Haagerup und sein “Constructive Institute” >> http://www.deutschlandfunk.de/konstruktiver-journalismus-weil-die-welt-mehr-als-konflikte.2907.de.html?dram:article_id=414530

Quelle: Deutschlandfunk: “Konstruktiver Journalismus”. Weil die Welt mehr als Konflikte zu bieten hat. Von Clemens Bomsdorf vom 2.4.2018

 

Kategorien: Aktuell, Allgemein, Mediation

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2 Kommentare zu Mediation und Medien

  1. Konstruktiver Journalismus – ein interessantes Label und – die Intention mutmasslich richtig verstehend – gerade deshalb mE sehr problematisch, weil zu Missverständnissen und einem ggf auch vorsätzlichen Missverstehen einladend. Was sollen die Kriterien sein; wer die „Richter“? Unvergessen die Einlassung des früheren Bundesinnenministers de Maizière im November 2015 vor der Presse: Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern” Aus Sicht der Legislative war es „konstruktiv“, vor dem Hintergrund einer terroristischen Gefährdungslage nicht alle verfügbaren Informationen öffentlich zu machen. Ob es aber auch konstruktiv war, dies so zu formulieren? Wohl nicht, denn gerade dieser Satz löste vermeidbare Unruhe aus. Hätte also ein „konstruktiver Journalismus“ auf die Verbreitung des Zitats verzichten sollen – oder gerade nicht? Wer definiert wie „konstruktiv“? Journalistischer Ethos verlangt mE, die Realität nach bestem Wissen (Recherche!) und Gewissen (Kommentar trennen !) abzubilden, um die Leser in die Lage zu versetzen, sich fundiert eine eigene Meinung bilden zu können. Das ist der hehre Auftrag aller Medien(schaffenden) in einer pluralen, unseren demokratischen Werten verpflichteten Gesellschaft. Journalisten, die in dieser Verantwortung täglich ihre publizistische Aufgabe gewissenhaft erfüllen, sind für die Gesellschaft weit mehr als „nur“ konstruktive Akteure; sie sind unverzichtbar!
    Ps: Die linke , in Berlin erscheinende Tageszeitung taz hatte dem Internationalen Tag der Mediation 2017 eine umfangreiche Sonderbeilage im Rahmen ihrer Wochenendausgabe gewidmet. Das relativiert die Fehleinschätzung des Chefredakteurs einer anderen Berliner Zeitung nicht, justiert lediglich sachgerechterweise die in dem Artikel formulierte Kritik.

  2. Ein Nachtrag ist unverzichtbar und ich ergänze die mir im Nachgang meiner Anmerkung bekannt gewordene Information mit großer Anerkennung für die Regionalgruppenleitung Berlin-Brandenburg des Bundesverbandes Mediation e.V. – denn diese hat die Sonderseiten in der tat initiiert und inhaltlich begleitet. Ein Beispiel, dass und wie Kooperation mit Presse erfolgreich praktiziert werden kann; konstruktiv im besten, verbindenden Sinne. Sg.

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