17 Nov

Mediatorin aus Kenia erhielt den Global Pluralism Award

veröffentlicht 17. November 2017 abgelegt unter Allgemein, Internationale Mediation, Rubrik Mediation International

Das Globale Zentrum für Pluralismus – ein unabhängiges, gemeinnütziges internationales Forschungs- und Bildungszentrum in Ottawa, Kanada – ehrt mit diesem Preis Menschen weltweit, die sich aktiv für Vielfalt und Offenheit gegenüber den Werten und dem Glauben anderer Kulturen und für soziale Gerechtigkeit in ihrer Region einsetzen.

Die Auswahlkommission erhielt über 200 Bewerbungen aus 43 Ländern. Sie reiste in viele dieser Bewerberländer, um vor Ort die Auswirkungen der humanitären Arbeit der potentiellen Preisträger auf die Gemeinschaft, ihre Authentizität und ihre Innovationen bei der Bewältigung von Konflikten  zu bewerten.

Am 15. November wurden in Ottawa die drei Gewinner geehrt: Die kenianische Mediatorin Alice Wairimu Nderitu, die gegen die Geschlechternormen kämpft und Friedensprozesse in Afrika mediiert, Daniel Webb, ein australischer Anwalt, der die öffentliche Meinung über Migranten verschob und der kolumbianische Anwalt Leyner Palacios Asprilla, der nach einem Angriff der FARC auf eine Kirche, bei dem auch Dutzende seiner Familienangehörigen getötet wurden, mit seiner Arbeit mit Erfolg versucht, die Wunden in seiner Gemeinde zu heilen.

Alice Wairimu Nderitu, Mediatorin

Bei Mediationen in ihr unbekannten Regionen achtet Alice Wairimu Nderitu beispielsweise sehr genau darauf, wie sich die Menschen dort kleiden. Ein Schneider fertigt ihr dann ein entsprechendes Kleidungsstück an. Ihr geht es dabei nicht um Mode. Ihre Kleidung soll vor allem Männern keinen Anlass bieten, sich daran zu erinnern, dass sie eine Frau und damit eine Außenseiterin ist.
Diese und weit mehr Anstrengungen muss sie unternehmen, um als Mediatorin und Frau in Afrika erfolgreich zu sein, da diese Rolle bisher nur von Männern besetzt wurde.

In ihrer Praxis hört sie immer wieder, dass Männer Konflikte anzetteln und daher die Erwartung besteht, dass sie sie auch beenden müssten. Dass dem so nicht ist und bei der Lösung von Konflikten alle Betroffenen einbezogen werden müssen, diese Wissenslücken gelte es zu füllen.

Alice Wairimu Nderitu war beteiligt an der Lösung von Stammeskonflikten im Südsudan, in Somalia, in Nigeria und Kenia. In Nigeria traf sie auf die heftigsten und umfangreichsten Stammes-Konflikte. Die Mediatorin moderierte dort 29 verschiedene Stämme, die jeweils sechs Mitglieder zu den Treffen entsandten. Dieser Prozess währte mehrere Jahre. Nach dem ersten augenscheinlichen Ende gingen die Kämpfe sofort wieder weiter. Nach drei Monaten setzte sie die Mediation fort, um noch etliche weitere Monate den Friedensprozess zu unterstützen und ihn letztlich tatsächlich zu stabilisieren.
Von dem Preis will sie eine Datenbank für Mediatorinnen aufbauen. Mit ihrem integrativen Ansatz will sie vor allem Frauen unterstützen, sich an den Friedensbildungsprozessen zu beteiligen, ihnen zeigen, dass sie gehört werden und wertvolle Arbeit leisten können. Und sie möchte vor allem die oft gehörte Aussage überflüssig machen, dass sie die einzige Frau am Verhandlungstisch sei.

Zu den beiden anderen Gewinnern >>hier

Die Preis-Verleihung als >> Film (in Englisch und Französisch)

Quelle: The Globe an Mail: Inclusion in action: Meet the three winners of the Global Pluralism Awards

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