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“Zertifizierter Mediator” Die Verordnung zur Regelung der Aus- und Fortbildung kurz zusammengefasst

veröffentlicht 1. September 2016 abgelegt unter Aktuell, Aus- und Weiterbildung, Mediation, Rubrik Recht

Was lange währt wird gut? – Die wesentlichen Regelungen der Verordnung zur Regelung der Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren und was das für Sie und den Markt bedeutet.

von Jonathan Barth.

Nachdem bereits am 31. Januar 2014 ein Entwurf einer Zertifizierte-Mediatoren-Ausbildungsverordnung – ZMediatAusbV vorlag, hat das Bundesministerium für Justiz nun die verbindliche Verordnung zur Regelung der Aus-und Weiterbildung von zertifizierten Mediatoren publiziert.

Ziel der Verordnung ist es Qualitätsstandards im Bereich der mannigfaltigen Mediationsausbildungslandschaft zu schaffen und letztlich auch ein Signalisierungsinstrument für ein Qualitätsmindeststandard  am Markt zu etablieren.

Können Sie sich zertifizierter Mediator nennen?

Die Verordnung hat sich im Gegensatz zur Entwurfsfassung aus Mediatorensicht nicht wesentlich verändert. So wurden nun in der finalen Fassung 120 Stunden als Präsenzausbildungzeit als Mindestumfang festgelegt. Diese Präsenzzeit wird in acht Lerneinheiten unterteilt, die in der Anlage der Verordnung näher definiert sind. Hinsichtlich der Weiterbildung schreibt die VO jetzt 40 Zeitstunden in vier Jahren vor. Die Verordnung tritt am 01.09.2017, also in einem Jahr in Kraft. Folglich darf die Bezeichnung auch erst ab diesem Zeitpunkt geführt werden.

Sie haben bereits eine Mediationsausbildung absolviert?

Für bereits ausgebildete Mediatoren wurden Übergangsbestimmungen geschaffen. Unter folgenden Bedingungen können bereits ausgebildete Mediatoren die Bezeichnung “zertifizierte/r Mediator/in” ab Inkrafttreten der Verordnung tragen:

  • Mediatoren, die vor dem 26.07.2012 über mindestens 90 Zeitstunden ausgebildet wurden und anschließend mindestens vier Mediationen als Mediator oder Co-Mediator geleitet haben
  • Mediatoren, die vor dem 01.09.2017 einen den Anforderungen der Rechtsverordnung entsprechenden Ausbildungsgang abgeschlossen haben und bis zum 01.10.2018 im Anschluss an eine als Mediator oder Co-Mediator geführte Mediation an einer Einzelsupervision teilnehmen

Für kürzere Ausbildungen, die vornehmlich im Bereich der anwaltlichen Weiterbildung bis zum Jahre 2012 durchgeführt wurden, schafft die Verordnung also komfortablere Bedingungen zur Führung der Bezeichnung “zertifizierte/r Mediator/in” als für Mediatoren, die sich nach dem 26.07.2012 ausbilden lassen haben.

Etablierung von Einzelsupervision

Bemerkenswert ist der Fokus auf der Qualitätssicherung durch Einzelsupervision, der in dieser Form noch nicht im Verordnungsentwurf verankert war. Dies kommt auch in §1 zur Geltung, in der Mediatoren ind en zwei Jahren nach ihrem Abschluss viermalig an einer Einzelsupervision teilnehmen müssen, um den Titel “zertifizierte/r Mediator/in” führen zu können.

Wie geht es nun weiter?

Welche Effekte diese Verordnung auf die Mediationsausbildungen haben wird, bleibt abzuwarten. Sicher wird durch die gesetzliche Regelung ein Standardisierungsprozess einsetzen, bei dem es den Weiterbildungsanbietern schwerer fallen wird, Ihre Alleinstellungsmerkmale herauszuheben. Diese Chance könnten bereits am Weiterbildungsmarkt etablierte Unternehmen ergreifen, da das Ausbildungskonzept bereits durch die Verordnung vorgeschrieben wird. Deshalb wird es interessant werden, zu beobachten wie auf Mediationsausbildungen spezialisierte Bildungsdienstleister auf die veränderten Bedingungen reagieren.

Für die Kunden der Mediation schafft die Verordnung ein Mindestmaß an Professionalität, auch wenn die bloße Teilnahme an Weiterbildungen noch keinerlei Aussage über die Qualität des Mediators treffen lässt. Außerdem existiert für die Kontrolle der Anforderungen an zertifizierte Mediatoren keine Instanz, wodurch eine sehr liberale Regelung gefunden wurde, die zwar die Kontrollkosten minimiert, auf der anderen Seite aber für Misstrauen sorgen könnte.

Diese Lücke könnten die fünf großen Mediationsverbände mit Ihrer Absicht eine “Plattform Qualität in der Mediation” zu schaffen, die dann auch als Kontrollinstanz fungieren und für zusätzliches Vertrauen am Mediationsmarkt sorgen könnte.

Wie sehen Sie die veröffentlichte Verordnung? Hat man die lange Zeit bis zur Verabschiedung aus Ihrer Sicht sinnvoll genutzt?

Zur Verordnung im Bundesanzeiger

 

 

5 Kommentare zu “Zertifizierter Mediator” Di ...

  1. Ich finde Supervision sehr hilfreich und unverzichtbar.

    Als Fortbildungsmaßnahme ja, in geringerem Umfang aber doch bitte sehr auch andere wichtige Themen. Was da rausgekommen ist, das ist krasse Geldmacherei für die Verbände, die mit wenig Aufwand viel Geld verdienen wollen. Jetzt muss man also die vorbereitungsbilligen Supervisionen mit zusätzlichen Fortbildungsmaßnahmen ergänzen und die Mediatoren, die keine Lust zur Fortbildung haben, bleiben weiterhin ungeschult.

    Nochmal betont: eigentlich keine Fortbildung, lediglich eine Zwangsmaßnahme, die den Verbänden nützt.

  2. Willi Dzielak says:

    Für einen zertifizierten Mediator sollten neben einer soliden Ausbildung Fortbildungen, Supervisionen und vor allem Mediationen ein absolutes Erfordernis sein. Wer nur eine Ausbildung absolviert hat, aber danach nie mit einer Mediation beauftragt wurde, darf und sollte sich nicht als zertifizierter Mediator bezeichnen können. Mir bleibt nur die Frage: Wird es zu der Rechtsverordnung noch Ausführungsbestimmungen geben, in denen geregelt wird, wie der Einzelne die Erfüllung der Vorgaben nachweist? Oder geht es allein um Selbstbekundungen und Treu und Glauben? Professionalität ohne professionell erbracht und überprüfte Standards wird es jedenfalls nicht geben.

  3. Bernd Borschel says:

    Wurde die Zeit bis zur Verabschiedung sinnvoll genutzt? Die Frage ist leicht zu beantworten: Selten habe ich solch einen hanebüchenen Unsinn gelesen wie diese Verordnung. Mit “Qualität” hat dies herzlich wenig zu tun. Jammerschade, was der Gesetzgeber da abgeliefert hat.

  4. Krusche says:

    1. finde ich gut, dass eine gewisse Mindestausbildung der Art und Zahl der h nach vorgeschrieben wird. Das schafft m.E. zumind. eine solide Basis. So starten Berufsanfänger mit etwa einem gl. Level.
    2. Praxiserfahrung wird GROß-geschrieben – das finde ich auch richtig und wichtig genauso wie eine Supervision in jedem Fall sinnvoll ist. Ein Mediator, der seinen Beruf ernst nimmt, wird die Fälle gesammelt haben und zumindest auch an einer Supervision teilgenommen haben. Also, dieses Ziel scheint leicht zu erfüllen zu sein.
    3.40 h in 4 J.; d.h. im Grunde genommen 10 h jedes Jahr – auch das erscheint sinnvoll. Allerdings erscheint mir das bei einem – so nenne ich ihn hier einmal – Profi-Mediator zu viel. Derjenige Mediator, der ernsthaft diesen Beruf ausübt, lernt schon von Mal zu Mal durch die Fälle hinzu. Und Praxiserfahrung ist m.E. der beste Beweis für Können, also Zertifizierung. Man hätte also eine sowohl als auch Formulierung finden müssen: wie 40 h in 4 J oder alternativ eine bestimmte Anzahl von Fällen p.a. Das vermisse ich hier.

    Ansonsten finde ich es sehr gut, dass die Zertifizierung als solches nichts kostet, öffnet aber Schwindlern Tür und Toren.

    Letztlich glaube ich, dass hier also nachgebessert werden muss. Warten wir es ab.

  5. Hélène Abelson Gebhardt (Kehl / Paris) says:

    40 Stunden in 4 Jahren finde ich… wenig. In Frankreich unoffiziell sind es 20 Stunden pro Jahr wie die Rechtsanwälte, die Notare usw…
    20 Stunden pro Jahr ist ein Standard der Weiterbildung in Frankreich.

    In diesen 20 Stunden müssen (Codex von 2009) die frz. Mediatoren eine “Analyse de pratique”, anders als die Supervision, vorweisen.

    Man lernt klar aus der Praxis aber in einer Gruppe über seine Praxis zu diskutieren ist auch sehr hilfreich. Übrigens die Comediation auch.

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