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Konflikte in großen Unternehmerfamilien

veröffentlicht 5. Dezember 2018 abgelegt unter Aktuell, Allgemein, Führungsstil, Mediation, Rubrik Familie

Die Nachfolgerfrage birgt eine der Hauptursachen von Konflikten in Unternehmerfamilien. Geht es doch um Macht, Geld und Liebe. Die Ansichten, wer letztlich das Unternehmen führen soll, gehen in Unternehmerfamilien oft weit auseinander.

Auch das Loslassen ihres Lebenswerkes ist ein großes Problem: Ein schwerer Schritt, mit dem neben einer hohe Verantwortung auch die Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust verbunden ist.

Als besonders konflikthaft hebt Mark Binz den Aspekt hervor, wenn die Patriarchen ihren Kindern die persönliche und fachliche Reife, ein Unternehmen zu führen, nicht zutrauen oder sie sie (noch) nicht vorweisen können. Oder wenn die Nachfolgegeneration gar Respektlosigkeit gegenüber der Eltern- bzw. Gründergeneration an den Tag legt.

Der Jurist rät, bevor solche Konflikte eskalieren, einige mediative Maßnahmen zu ergreifen. Das sind: eine vorausschauende Familienverfassung, festgelegte Regeln zur Konfliktlösung, externe Aufsichtsräte oder Beiräte, die zwischen den streitenden Parteien vermitteln.

Ich bin sicher, dass auch ein Mediator oder eine Mediatorin in solchen Konflikten und noch besser schon im Vorfeld sehr gute Arbeit leisten kann, damit es erst gar nicht so weit kommt. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man eine eigene Streitkultur aufbaut: Man lernt, sich inhaltlich auseinanderzusetzen ohne sich persönlich zu verletzen.

Typische Familienkonflikte in großen deutschen Unternehmen
Adidas/ Puma
Dr. Oetker

Rudolf-August Oetker hat acht Erben aus drei Ehen. Die fünf älteren Geschwister hatten zuerst allein die Führung inne. Doch dann kamen die drei jüngeren und forderten – öffentlich und vehement – mehr Einfluss in der Geschäftsführung. Die Fusion der eigenen Schifffahrtslinie Hamburg Süd mit Hapag Lloyd scheiterte an ihrem Widerstand. 2016 fand man eine Kompromisslösung. Doch der Konflikt um die Teilung scheint noch nicht beigelegt.

Tönnies

Die Brüder Bernd und Clemens Tönnies bauten die Metzgerei ihrer Eltern in einen milliardenschweren Fleischkonzern um. Als Bernd starb, übernahm Clemens die Führung und das Unternehmen expandierte. Seinen beiden Neffen traute er eine Beteiligung an der Führung nicht zu, obwohl ihnen rechtlich die Mehrheit der Anteile zustand. Über einen Rechtsstreit erkämpfte ein Neffe die Beteiligung beider Neffen.

Bahlsen

Infolge eines wirtschafltichen Einbruchs Anfang der neunziger Jahre kam es zum Streit zwischen den Erben über die Art der Unternehmensführung. Es ging um Traditionsbewahrung oder Innovation. Das führte 1993 dazu, dass Cousin Herrmann, in der Funktion als leitender Geschäftsführer, abgefunden wurde. 1999 wurde das Unternehmen noch einmal unterteilt unter den drei verbliebenen Gesellschaftern und Geschwistern. Werner Michael Bahlsen übernahm das Süßwarengeschäft einschließlich des Namens Bahlsen, Lorenz Bahlsen das Salzgebäck- und Kartoffelchipsparte, Andrea die v.-Nordeck-Gruppe.

Darboven

Albert Darboven schenkte schon früh seinem Sohn die Mehrheit der Anteile seiner Hamburger Kaffeefirma. Als es 2009 zu Konflikten mit seinem Sohn kam, verließ der Vater das Unternehmen. Er widerrief dann jedoch die Schenkung und wurde wieder zum Mehrheitsgesellschafter. Bei der nun wieder anstehenden Nachfolgeregelung möchte Albert nicht seinen Sohn einsetzen, sondern Andreas Jacobs, einen Nachfolger der Jacobs-Kaffeedynastie, adoptieren. Sohn Arthur als leiblicher Sohn setzt alles daran, dies zu verhindern.

Berentzen

Hier war es der Konflikt zwischen Gesellschaftern, der das Ende des Familienunternehmens nach sich zog. Der Zukauf einer Kornbrennerei (Pabst & Richarz) wurde mit Anteilen an dem nun neu fusionierten Unternehmen finanziert. Die Zusammensetzung der Gesellschafter als altem und zugekauften Unternehmen brachte einen heftigen Dauerkonflikt mit sich, der 2008 erst mit dem Verkauf des Unternehmens endete.

Knorr-Bremse

Der Unternehmer Heinz-Herrmann Thiele hatte seinen beiden Kindern in den 90er Jahren mehr als die Hälfte der Anteile übertragen, doch mit dem Abgeben tat er sich schwer und behielt sich die Stimmenmehrheit vor. Vor der Berufung seines Sohnes Hendrik in den Vorstand gerieten Vater und Sohn in Streit. Der Sohn trat daraufhin nicht in das Unternehmen ein. Kürzlich gab er auch den Posten als Gesellschafter ab. Aktuell gehört das Unternehmen Vater und Tochter, sie ist aber nicht aktiv im Unternehmen tätig. Die Nachfolge bleibt also weiterhin ungeklärt.

Tchibo

Die fünf Geschwister Herz stritten jahrelang untereinander, da ihr Vater keine Nachfolgeregelung hinterließ. So führte zunächst der älteste Sohn Günter das Imperium, doch die drei jüngeren Brüder beobachteten sein Tun äußerst kritisch. 2001 kam es zum Eklat. Zusammen mit der Mutter entmachteten sie den ältesten Bruder. Der Zweitälteste übernahm die Führung. Günter und Schwester Daniela verkauften daraufhin 2003 ihre Firmenanteile und gründeten das Unternehmen Mayfair.

DuMont Mediengruppe

Auch bei DuMont Schauberg gab es 2010 einen heftigen Konflikt. Vater Alfred Neven DuMont beurlaubte Sohn Konstantin Neven DuMont für unbestimmte Zeit aus dem Vorstand des Unternehmens. Begründet wurde dies durch einen Blog, in dem Sohn Konstantin sich abträglich und geschäftsschädigend über das eigene Unternehmen geäußert haben sollte. Der Sohn bestritt diese Darstellung und führte unterschiedliche publizistische Grundsätze als Grund für sein Ausscheiden an. Er habe den massiven Ausbau des investigativen Journalismus gefordert, sich damit aber nicht durchsetzen können. Öffentlichkeitswirksam mahnte er die Auszahlung seiner Anteile von 7 Prozent am Unternehmen, die er wenige Jahre später einvernehmlich an die Eltern rückübertrug. Nach dem Tod des Vaters 2015 leitet die Schwester Isabella das Unternehmen. Der Familienfriede ist wieder hergestellt.

Weitere Beispiele von Familienkonflikten in den Unternehmen VW Aktiengesellschaft, Haribo, Aldi, Bankhaus Finck, Dussman und Voith finden Sie auf der Website: https://www.capital.de/wirtschaft-politik/15-prominente-konflikte-in-deutschen-familienunternehmen

Quelle: 15 prominente Konflikte in deutschen Familienunternehmen. Interview mit Rechtsanwalt Mark Binz, in: Capital, von Capital-Redaktion, 20. November 2018

Ein Kommentar zu Konflikte in großen Unternehmerfamilien

  1. Krusche says:

    ich hatte auch schon einen solchen Mediationsfall.
    Hier sollten die Unternehmensanteile Halbe / Halbe an die beiden Kinder übertragen werden. Jedoch, die waren sich nicht ganz grün – Gründe eines Zwists aus der Vergangenheit.
    Zwar vermochte ich irgendwie diesen alten Zwist zu beseitigen (immerhin benötigte es hierfür 5 Sitzungen a 1 – 1 1/2 h), aber…
    Leider wurde die Mediation nicht zu Ende geführt.
    Ich konnte es nicht nachvollziehen. Anscheinend seien zu viele Sitzungen notwendig und das zu teuer.
    Und das Oberhaupt glaubte nicht an den Erfolg, dass eines Tages die beiden Kinder in Frieden das Unternehmen führen würden.
    Man sieht, wie emotional und schwierig eine Unternehmensübergabe innerhalb eines Familienunternehmens ist.
    Ich denke, der größte Fehler ist der Zeitfaktor.
    Man glaubt, alles schnell über die Bühne bringen zu müssen. Mediator, mach mal geschwind…
    Schwierige Situationen brauchen jedoch Zeit.
    Mein Rat an alle potentiellen Oberhäupter:
    schaltet frühzeitig einen Mediator ein; gebt euch mind. 1 J. Zeit, alles in Ruhe zu besprechen.
    Emotional schwierige Themen erfordern dies.
    Nur so klappt am Ende die Übergabe.
    Ganz friedl., adventliche Grüße
    VKr

    Ach so, PS Ihr wollt wissen, wie mein Fall ausging?!
    Papa übergab 100% an 1 Kind; das andere Kind suchte sich eine and. Berufung (immerhin eine positive Auswirkung der Mediation, die somit zumind. 1 Anstoß gab.)

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