10 Jul

Musste Mary Stuart zwangsläufig sterben – Mediation als Lebensretter?

veröffentlicht 10. Juli 2018 abgelegt unter Allgemein, Literarische Konfliktanalyse, Literatur

Von Dr. Anke Kovar, Stuttgart

 

 

Wer sich mit dem Thema der Mediation oder der Konfliktlösung befasst, landet früher oder später auch bei historischen Streitfällen, die eine dramatische Wende genommen haben und fragt sich, ob es einen anderen Ausgang des Falles hätte geben können. Ob es eine Alternative gegeben hätte ist von vielen Parametern abhängig, u.a. auch davon, was die vorhandenen Ressourcen gewesen wären. Was steht an vorhandenen Mitteln oder Methoden zur Verfügung, um Konflikte (professionell) zu lösen? Hier hat sich in der Vergangenheit die Methode der Mediation etabliert, die mittlerweile in vielen Ländern nicht nur erfolgreich angewendet wird, sondern teilweise, wie in China, sogar unumstößlich ist, bevor ein Konfliktfall letztlich tatsächlich zu einem Gericht weiter eskaliert werden kann.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einem solchen historischen Konfliktfall, bei dem es zum damaligen Zeitpunkt die Technik der Mediation als solche noch nicht gegeben hat. Die beiden Protagonistinnen, Elisabeth I und Mary Stuart, haben beide, auch ca. 450 Jahre nach ihrem Tod, nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt. Nach Elisabeth wurde ein ganzes Zeitalter benannt. Lebte Mary Stuart nur zur kurz, um ihre Zeit zu prägen? Die Lebenswege und die Geschichte beider sind miteinander verwoben, die Persönlichkeiten und Charakterzüge könnten jedoch gegensätzlicher kaum sein. Unwillkürlich taucht die Frage auf, ob die Hinrichtung Mary Stuarts auf Befehl von Elisabeth I zwangsläufig gewesen ist, oder ob es nicht doch andere Wege gegeben hätte. In der vorliegenden Arbeit wird daher die kontrafaktische Geschichtsschreibung zu Hilfe genommen und beleuchtet, ob eine Mediation hätte stattfinden können und wie sie ausgesehen hätte. Es wird das Modell von Glasl herangezogen, das beschreibt, wie Konflikte eskalieren und wann eine Mediation ein sinnvolles Mittel zur Konfliktlösung sein kann. Es wird daher kein fester Zeitpunkt gesetzt, wann eine Mediation stattgefunden hätte, sondern anhand der Geschichte betrachtet, wann sie überhaupt nur hätte durchgeführt werden können. Da beide Charaktere bereits hinreichend detailliert von Historikern beschrieben wurden, werden darauf aufbauend die Möglichkeiten einer Mediation abgeleitet.

Hätte eine Mediation das Leben von Mary Stuart retten können?

Mary Stuart Queen

Mary Stuart Queen Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mary_Stuart_Queen.jpg

1. Grundlagen

1.1.       Die kontrafaktische Geschichtsschreibung

Bei der kontrafaktischen Geschichtsschreibung wird unter Berücksichtigung bekannter Quellen und Fakten das tatsächlich eingetretene Geschehen ab einem bestimmten Zeitpunkt, dem Divergenz- oder Wendepunkt (Brendel, 2012), durch eine alternative Handlung ersetzt und die dann eintretenden Folgen betrachtet. Von den Historikern wird diese Technik durchaus ambivalent bewertet, da hier die Faktenlage gegen Annahmen und Schlussfolgerungen ersetzt wird, die durch das Wissen um die tatsächlichen Geschehnisse geprägt sind und der Sicht des jeweiligen Autoren und seiner Interpretationen unterworfen sind. Liegt das Ereignis sehr weit zurück, verzerrt zusätzlich die unterschiedliche Denkweise den Blick. Die meisten Menschen haben sich dennoch schon mehrfach mit dieser Art von „was-wäre-wenn“-Spielen befasst. Ein in der Literatur diskutiertes Beispiel dieser Vorgehensweise ist, ebenfalls aus der in dieser Arbeit aufgegriffenen Zeitperiode, „The Repulse of the English Fireships – The Spanish Armada Triumphs, August 8, 1588“. Was wäre passiert, wäre Philip II von Spanien mit seiner Armada damals siegreich gewesen (Cowley, 2000, S.139-154)?

In der Belletristik und Literaturgeschichte haben sich diese Gedankenspiele vielfach niedergeschlagen: Friedrich Schillers Drama „Mary Stuart“ ist ein solches Beispiel; er beschreibt ein persönliches Treffen zwischen Mary Stuart und Elisabeth I, welches es bekanntermaßen nie gegeben hat. Der Divergenzpunkt setzt drei Tage vor der Hinrichtung ein – auch hier stirbt Mary Stuart (Schiller, 2015). Von der Mediatorin Kerstin Lück gibt es im Internet einen Blog „Literarische Mediation“ (Lück, fortlaufend), die für einige ihr interessant erscheinende Romane eine Mediation der Protagonisten einbaut und in Dialogform ebenfalls alternative Szenarien entwirft. Hier finden sich auch eine Reihe rein fiktiver Romane, die keinen historischen Bezug haben.

1.2.       Vermittlung bei Streitfällen im 16. Jahrhundert in Großbritannien

Die Zeitperiode von Elisabeth I und Mary Stuart  bzw. die Hinrichtung Letzterer liegt ein gutes halbes Jahrhundert vor dem westfälischen Frieden und der Begriff (oder der Beruf) des Mediators ist zu der Zeit sowohl in England als auch in Schottland noch unbekannt. Dennoch wurde am englischen Hofe eine Form der Vermittlung regelmäßig durch den „privy council“, den geheimen Kron- oder Staatsrat, wahrgenommen. Er hatte drei Hauptfunktionen: die Durchführung der Amtsgeschäfte der Königin, die Regelung oder Beilegung von Disputen zwischen den Parteien inklusive Straf- und Privatrechtsverfahren sowie die Beendigung von Streitigkeiten, bei denen die Königin eine der Beteiligten war (Klein, 2010, S. 21). Für Schottland konnten bei der Literatursichtung keine Ansätze erkannt werden.

2.      Die Mediandinnen

2.1.       Königin Elisabeth I von England

Elisabeth I wird am 07. September 1533 als zweite Tochter von Henry VIII aus seiner zweiten Ehe mit Anne Boleyn geboren. Ihre Mutter wird von ihrem Vater des Ehebruchs beschuldigt und hingerichtet, als sie 2 Jahre und 8 Monate alt ist. Wer ihr die Botschaft überbracht hat und wann, und wie sie darauf reagiert hat, ist nicht überliefert (Muhlstein, 2005, S. 19). Jedoch hat sie lebenslang selbst nur sehr selten über ihre Mutter oder diese Geschehnisse gesprochen. Bei ihrem Tod erweist sich ein Fingerring von ihr als Medaillon mit Bildnis ihrer Mutter (Muhlstein, 2005, S. 21).

Obwohl Elisabeth aufgrund dieser Ereignisse zunächst als Thronfolgerin ausgeschlossen wird und damit auch den vollen Verlust ihres Status‘ erfährt, da ihr Vater die Ehe mit der Mutter für ungültig hat erklären lassen, wird sie als solche erzogen und beweist ihren Lehrern nicht nur ein hohes Maß an Intelligenz, sondern auch eine sehr frühreife Entwicklung, deren Persönlichkeit sich früh ausprägt. Sie bekommt ab dem Alter von zehn Jahren eine humanistische Ausbildung und wird diese bis ins hohe Alter beibehalten (Muhlstein, 2005, S. 218). Sie wird in Rhetorik, Musik, Theologie und Astronomie unterrichtet und diskutiert mit ihren Lehrern inhaltlich in Originalsprache über die Werke altgriechischer Philosophen. Sie spricht mit Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Griechisch und Latein sechs Sprachen fließend, was für sie später gleich mehrere Vorteile hat. Sie ist in der Lage, praktisch mit Botschaftern aller Länder, die sie besuchen, selbst zu sprechen und zu verhandeln, so dass sie nicht auf Dolmetscher angewiesen ist und damit nicht zu befürchten hat, Einflüsterungen zu erliegen (Muhlstein, 2005, S. 12-13, 22-23, Klein, 2010, S. 15).

Gut geschult und offenbar mit viel Talent ausgestattet, wird sie bereits im Jugendalter zur Gefahr für die eigene Schwester Mary Tudor. Streng katholisch und radikal, heiratet sie Philip II von Spanien und führt England zurück zum Katholizismus. Sie kann daher nicht tolerieren, dass Elisabeth zunächst eher den protestantischen, dann – gespielt? – den katholischen Glauben vertritt. In jedem Fall ist Elisabeth weniger extrem als sie. Mary fürchtet, dass England nach ihrem Tod wieder protestantisch werden könnte – eine Vermutung, die sich dann auch bewahrheitet. 1554 lässt sie Elisabeth unter der Beschuldigung des Hochverrats für einige Monate in den Tower einkerkern und sie dabei, unter den verschiedenen Eingängen, denselben Weg wie einst ihre Mutter nehmen, durch das „Tor der Verräter“ (Muhlstein, 2005, S. 38-40). Erlebnisse, die sicherlich bleibenden Eindruck hinterlassen haben werden. Sie überlebt diese Zeit aufgrund ihres taktischen und strategischen Geschicks.

Elisabeth wird, nach dem Tode ihrer älteren Schwester Mary im November 1558, am 15. Januar 1559 zur Königin von England gekrönt, da aus deren Ehe mit Philip II keine Kinder hervorgegangen sind. Für den katholisch geprägten Teil Europas – und damit auch für Mary Stuart – ist mit ihrer Abstammung die Legitimität Elisabeths auf den englischen Thron mindestens zweifelhaft. Papst Pius V wird dieses später noch verstärken, indem er Elisabeth 1570 exkommunizieren und für vogelfrei erklären und damit eine Ermordung Elisabeth unter Straffreiheit stellen wird.

Vermutlich nicht zuletzt durch ihre Kindheit und Jugend, die alle Aspekte von Behütung und Sicherheit vermissen lassen, entwickelt Elisabeth großes rhetorisches Geschick und ein Gefühl für politische Strömungen, Entwicklungen und Taktik. Ihre Führungsstärke und ihre Fähigkeit zur Gestaltung werden später sogar von ihren Gegnern hoch anerkannt. Ein messerscharfer Verstand offenbar gepaart mit weiblicher Koketterie (Muhlstein, 205, S. 75) entwickeln in ihr ein beachtliches Talent, ihre Mimik, ihre Reaktionen und ihre wirklichen Gedankengänge für sich zu behalten. Einige Historiker stellen sich sogar die Frage, welcher Religion sie sich wohl wirklich angehörig gefühlt hat (Klein, 2010, S. 17). Sie wird als die größte Schauspielerin ihrer Epoche (Klein, 2010, S. 14-15, S. 65) bezeichnet und ist sowohl für ihre Minister und das Parlament als auch für das europäische Ausland völlig unkalkulierbar (Klein, 2010, S. 66). Dabei ordnet sie alle diese Stärken einzig der Staatsräson unter und nicht einem Opportunismus (Klein, 2010, S. 14-15), obwohl auch sie als leidenschaftlicher Charakter bekannt ist (Klein, 2010, S. 17-18).

In ihr ist ein hohes Maß an Gerechtigkeitssinn ausgeprägt: Wie schon unter ihrem Vater werden Familienangehörige bei Verfehlungen eines Mitglieds nicht in Sippenhaft genommen. Sie wird Zeit ihres Lebens Familienangehörige mütterlicherseits unterstützen (Muhlstein, 2005, S. 21). Sie unterbindet durch neue Verteilungs- und Überwachungssysteme Korruption und stellt damit sicher, dass Gelder an den für sie bestimmten Stellen auch ankommen. Damit erleichtert sie das Leben insbesondere ihrer Soldaten und Seeleute, die von dieser Korruption besonders stark betroffen waren. In den Gemeinden etabliert sie Friedensrichter, die unabhängig Recht sprechen und entbindet damit die Menschen von der Willkür der Lehnsherren (Klein, 2010, S. 53ff).

Sie verabscheut jede Form von Extremismus und besitzt ein hohes Maß an Toleranz und Aufgeklärtheit. All dieses zeigt sich besonders in Religionsfragen. Sie will „keine Fenster in die Seelen ihrer Untertanen“ – heißt, jemand wird für seine Vergehen bestraft, nicht für die bloße Zughörigkeit oder sogar Ausübung der „falschen“ Religion, des Katholizismus (Klein, 2010, S. 39). Während ihr Vater in der von ihm geschaffenen protestantischen Kirche von England noch die gleiche Rolle wie der Papst – der Vertreter Gottes auf Erden – eingenommen hat, bezeichnet sie sich hier nur noch als „Oberste Verwalterin“ (Klein, 2010, S. 38) und entschärft damit ebenfalls das Konfliktpotenzial, was in dieser Rolle gelegen hat.

Allerdings nimmt sie in der englischen Kirche auch eine Art Doppelrolle ein. Des Marienkults der katholischen Kirche beraubt und sich ihrer Rolle der Wirkung als Mutter des Volkes und jungfräulicher Königin bewusst, besetzt sie quasi diese Lücke (Klein, 2010, S. 66-67).

Elisabeth bleibt Zeit ihres Lebens unverheiratet und kinderlos und betreibt damit erfolgreich ihren eigenen Machterhalt, indem sie sich niemandem unterordnet, folglich allerdings auch keine leiblichen Nachkommen hinterlässt und auch nie einen Nachfolger benennt, was die Nachfolgeregelung bis zu ihrem Sterbetag offenlässt. Da sie aber bereits in jungen Jahren dieses „Gerangel“ um potenzielle Nachfolger und auch die Instrumentalisierung dieser durch opponierende Kräfte mitbekommen hat, hat sich in ihr eine tiefe Aversion gegen die Bekanntgabe einer Nachfolgeregelung ausgebildet (Muhlstein, 2005, S. 84). Vielleicht ist hier dennoch der Grund verborgen, weswegen sie im Jahre 1582, sie ist dann 49 Jahre alt, Kontakt zu Jakob VI, dem Sohn Mary Stuarts aufnimmt, und über die Jahre eine Art Mentorenbeziehung zu ihm aufbaut. Sie weiß, wenn sie ihre Nachfolge bestimmen will, sollte sie spätestens am Sterbetag einen Nachfolger benannt haben.

Man sagt ihr verschiedene Affären nach, die vermutlich intensivste mit Lord Robert Dudley. Als jedoch dessen schwangere Frau unter ungeklärten Umständen stirbt, setzt Elisabeth sofort eine Untersuchungskommission ein und sagt sich von ihm los, um nicht in den Verdacht zu geraten, selbst in den Tod verwickelt zu sein und sich dadurch zu kompromittieren (Klein, 2010, S. 82ff). Sie beweist auch damit wieder ihr strategisches Geschick.

Während ihrer Herrschaft entwickelt sich in England relativer Wohlstand mit teils dramatischen Einbrüchen gegen Ende ihrer Regierungszeit, hervorgerufen auch durch äußere Umstände wie Pest und Missernten. England erlebt einen Aufschwung der naturwissenschaftlichen Fähigkeiten und technischen Neuerungen (Klein, 2010, S. 53ff, S. 123ff). Auch die Kunst erfährt eine Blütezeit, mit Christopher Marlowe und William Shakespeare betreten große Dichter die Bühne – im wortwörtlichen Sinne.

Ein Glaubenssatz zieht sich durch ihr Wirken – und diesen teilt sie mit Mary Stuart: Ein eingesetzter König ist von Gott gesalbt und damit nicht der menschlichen Gerichtsbarkeit unterstellt (Zweig, 2016, S. 380). Durch die Hinrichtung von Mary Stuart auf ihr Urteil hin wird es Elisabeth sein, die mit ihrem Handeln Könige in dem Sinne menschlich und sterblich macht.

Als Elisabeth am 24. März 1603 im Alter von knapp 70 Jahren stirbt, wird ihr Nachfolger auf dem Thron Englands Jakob VI von Schottland, und als König Jakob I von England ist er erstmalig nun auch der König von Schottland in Personalunion.

2.2.       Königin Mary Stuart von Schottland

Mary Stuart von Schottland wird am 08. Dezember 1542 als Tochter von Jakob V und Marie de Guise von Frankreich geboren. Ihre Großmutter väterlicherseits ist Prinzessin Margaret Tudor – die Schwester von Henry VIII. Damit ist sie die Nichte zweiten Grades von Elisabeth und hat somit selbst Anspruch auf den englischen Thron, falls keine direkten Nachkommen vorhanden sind.

Das Leben von Mary Stuart ist einerseits gekennzeichnet von hoher Dynamik und Erlebnissen, die später sogar literarisch aufgegriffen werden, andererseits von einer Entschleunigung und Monotonie, wie sie kaum erträglich scheint für jemanden, der eben auch diese Dramatik gewohnt ist.

Bereits sechs Tage nach ihrer Geburt stirbt ihr Vater, Jakob V, und, da ihre beiden älteren Brüder bereits in jungen Jahren verstorben sind, wird sie damit zur Königin von Schottland. Aufgrund ihres zarten Alters wird ihr illegitimer Halbbruder, James Hamilton, 2. Earl of Arran, zum Regenten ernannt und verbleibt dort bis 1554, als ihre Mutter Marie de Guise bis zu deren Tod 1560 den schottischen Thron übernimmt.

Sechs Monate nach der Geburt von Mary Stuart wird vertraglich vereinbart, dass sie neun Jahre später mit dem zukünftigen englischen König Eduard VI, dem jüngeren Bruder Elisabeths, vermählt wird, womit die Personalunion zwischen England und Schottland realisiert werden soll. Mary Stuart wird am 09. September 1543 mit neun Monaten zur Königin von Schottland gekrönt und nur wenige Wochen später wird der Vertrag mit England durch das schottische Parlament wieder aufgelöst, als Henry VIII verlangt, dass Schottland seine Allianz zu Frankreich aufgibt, was wiederum für Schottland aufgrund der Familienbande eine unannehmbare Bedingung ist. Henry VIII erklärt Schottland den Krieg und überfällt verschiedene Gebiete.

Da man um die Sicherheit der Königin fürchtet, wird Mary Stuart mit ihrer Mutter in ein sicheres Versteck gebracht und von dort im Alter von fünf Jahren nach Frankreich gebracht, in Begleitung vier weiterer Marys im selben Alter, damit sie wenigstens ein bekanntes Umfeld bei ihrem Aufbruch in ein unbekanntes Land hat. Am 07. Februar 1548 wird eine Ehevereinbarung mit Francois II unterzeichnet, an dessen Seite sie auch erzogen wird, und wodurch sie in den Jahren 1559/1560 auch Königin von Frankreich wird. Sie wächst auf in behüteter und beschützter Umgebung und kann sich voll entfalten (Zweig, 2016, S. 30-33).

Sie besitzt eine natürliche Grazie und Schönheit sowie ein helles und heiteres Gemüt, so dass Stefan Zweig später in seiner Biographie über Mary Stuart schreibt „kaum in einer anderen Gestalt hat das Frauenideal der französischen Renaissance so ritterlich-romantischen Ausdruck gefunden“ (Zweig, 2016, S. 34).

Genau wie Elisabeth entwickelt auch sie sich erstaunlich frühreif – ihr Auftreten bei Hofe ist jedoch noch geprägt von einem braven und frommen Gefallen wollen (Zweig, 2010, S. 32-33). Sie ist Status, Wohlstand und Wunscherfüllung gewohnt und darf dieses auch voraussetzen. Alles, was sie bislang umgeben hat, ist Erbe und Geschenk, sie musste nichts selbst dafür tun (Zweig, 2016, S.43).

Auch sie erhält eine fundierte Ausbildung und lernt mit Griechisch, Latein, Italienisch, Englisch und Spanisch ebenfalls fünf weitere Sprachen, wobei Französisch zeitlebens ihre Muttersprache bleiben wird. Sie wird jedoch, im Gegensatz zu Elisabeth, als Königsgemahlin erzogen und erhält Unterricht in Tanz, Poesie, Nadelarbeit und „anmutigem Auftreten“ (Muhlstein, 2005, S. 57). Dass sie auch die amtierende Königin von Schottland ist, wird bei ihrer Erziehung in Frankreich jedoch bewusst ausgeblendet, da die Regierungsgeschäfte aufgrund der schwachen Gesundheit ihres Mannes tatsächlich von ihrer Schwiegermutter Katharina von Medici wahrgenommen werden (Zweig, 2016, S.45, 49-50) und diese hat kein Interesse an einer Konkurrenz im eigenen Haus. Im Gegensatz zu Elisabeth bleibt ihr daher das politische Denken und Taktieren fremd, und Schottland erscheint in dieser Zeit in Frankreich „weit weg“ (Muhlstein, 2005, S. 57).

Im Juli 1560 stirbt in Schottland ihre Mutter und im Dezember ihr Mann. Durch den frühen Tod von Francois II wird Mary Stuart bereits mit knapp 18 Jahren zur Witwe und kehrt daher 1561 nach Schottland zurück, da ihre Schwiegermutter die Regierungsgeschäfte in Frankreich nun offiziell übernimmt und ihr nicht länger freundlich gesinnt ist (Zweig, 2016, S. 49). Nicht zuletzt aufgrund der Sprache und der langen Abwesenheit fremd im eigenen Land und nicht in der Lage, konkurrierende adlige Clans zu befrieden, gerät sie innenpolitisch stark unter Druck. Ihr illegitimer Halbbruder James Stewart I führt die Protestanten an und die Reformation spaltet das Land (Muhlstein, 2005, S.62-64). Sie selbst praktiziert den katholischen Glauben, leitet daraus aber keinerlei „Staatsreligion“ ab. So lange sie selbst ihren Glauben praktizieren kann, ist es für sie nachrangig, welchem Glauben ihr Volk angehört (Muhlstein, 2005; S. 63-64). Zeigt sie damit Toleranz oder Gleichgültigkeit? Die Konsequenz dürfte jedoch dieselbe sein: sie schürt den Konflikt nicht persönlich weiter an.

Nachdem ihr die Könige bzw. Thronfolger von Schweden, Dänemark, Frankreich und Österreich einen Heiratsantrag machen, verliebt sie sich 1565 Hals über Kopf in ihren Cousin, den Engländer und Katholiken Lord Darnley. Es hat sich ihre leidenschaftliche Natur Bahn gebrochen und bei der Erfüllung von Herzenswünschen duldet sie keinerlei Aufschub (Muhlstein, 2005, S. 97). Offenbar macht sie sich wenig Gedanken darum, dass er in den Augen der Schotten ein Ausländer ist und die unterschiedlichen Clans „eifersüchtig“ darüber wachen, wieviel Befugnisse er bekommt und als Katholik Öl in das Feuer der Protestanten gießt. Sie handelt in erster Linie als Frau und erst untergeordnet als Monarchin. Schon wenige Monate nach der Hochzeit berichten englische Botschafter aber bereits von Spannungen zwischen Mary Stuart und Lord Darnley (Muhlstein, 2005, S. 100-104). Der ausschweifende Lebensstil des beizeiten gewalttätigen Lord Darnley und die bald einsetzende Ernüchterung und Abneigung ihm gegenüber bestärken Mary Stuart darin, ihm keinerlei Machtbefugnisse zu übertragen (Zweig, 2016, S. 129, 137). Reagiert sie hier als Frau, die Status und Respekt gewohnt ist, oder als Regentin, die sich um ihren Machterhalt sorgt?

1566 wird aus dieser Verbindung Jakob VI geboren. Am 10. Februar 1567 explodiert das Haus und Lord Darnley wird tot im Garten aufgefunden, offenkundig Opfer eines Mordkomplotts.

Nur drei Monate später heiratet Mary Stuart den Earl of Bothwell, den Drahtzieher des Komplotts, der in einem Scheinprozess aus Mangel an Beweisen freigesprochen wird, da es zu viele weitere Mitwisser gibt, die es zu schützen gilt. Dieses provoziert einige ihrer zuvor noch treu ergebenen Adligen, die daraufhin ihre Abdankung zugunsten ihres Sohnes erzwingen und sie gefangen nehmen (Klein, 2010, S. 92-93).

Ein Jahr nach ihrer Gefangennahme gelingt es Mary Stuart nach England zu fliehen, wo sie Königin Elisabeth I um Schutz bzw. um Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer Rechte in Schottland bittet. Elisabeth setzt sie daraufhin ihrerseits gefangen, um einen Prozess gegen sie wegen der Ermordung ihres Mannes anzustrengen (Klein, 2010, S. 95). In einem Prozess, in dem beide Seiten taktieren und viel zu gewinnen bzw. zu verlieren haben, wird Bothwell schlussendlich als der alleinig Schuldige identifiziert. Er hat sich jedoch in das Ausland abgesetzt und man wird seiner nicht habhaft. Mary Stuart wird nicht belangt aus Mangel an Beweisen. Für Elisabeth bietet es aber den Anlass, Mary Stuart weiterhin in England gefangen zu halten (Klein, 2010, S. 96, 306). 18 Jahre lang wird Mary Stuart in verschiedenen Burgen und Schlössern gefangen gehalten, sie verfügt hierbei über einen eigenen Hofstaat, also Köche, Diener und Hofdamen, und sie wird standesgemäß behandelt.

Als Witwe eines Königs von Frankreich bezieht Mary Stuart auch eine Apanage von dort, die sie offenbar weitgehend dafür nutzt, ein eigenes Informationsnetz aufzubauen und durch ihr Personal konspirative Botschaften zu senden und zu empfangen (Muhlstein, 2005, S. 163). Das ganze eskaliert, als Mary Stuart eine Botschaft schreibt, in der sie die Ermordung von Königin Elisabeth I propagiert, um sich selbst auf den Thron in England zu setzen (Muhlstein, 2005, S. 226). Der Brief wird abgefangen und nach einem Prozess unterschreibt Königin Elisabeth I das Urteil zur Hinrichtung, die am 08. Februar 1587 auf Fotheringhay Castle vollstreckt wird. Mary Stuart stirbt im Alter von 44 Jahren, von denen sie praktisch 20 Jahre in verschiedenen Burgen und Schlössern gefangen gehalten wurde und deren erwachsenes und selbstbestimmtes Leben inklusive das einer Regentin von Schottland ungefähr sechs Jahre betrug.

3.      Die Konflikteskalation zwischen Elisabeth I und Mary Stuart

Das Konfliktpotenzial zwischen Elisabeth I und Mary Stuart ist durch den verwandtschaftlichen Bezug der beiden zueinander quasi mit in die Wiege gelegt worden und verkettet fortan ihre Schicksale.

Als Elisabeth I ihrerseits nach dem Tod von Eduard VI und Mary Tudor selbst auf den Thron nachfolgt, ist Mary Stuart 16 Jahre alt, lebt noch in Frankreich und setzt sich nun mit ihren Ansprüchen auseinander. Beide Töchter von Henry VIII wurden mit der Hinrichtung von Anne Boleyn als illegitim erklärt und von der Thronfolge ausgeschlossen. Erst unter dem Einfluss der sechsten und letzten Ehefrau von Henry VIII, Catherine Parr, wurden beide Töchter 1544 per Parlamentsbeschluss wieder in die Thronfolge eingereiht. Henry VIII sagte England jedoch von der römisch-katholischen Kirche los und gründete die Kirche von England mit sich als Oberhaupt, als Papst Clemens VII sich weigerte, seine Ehe mit Katharina von Aragon aufgrund eines fehlenden männlichen Nachkommens zu annullieren. Nachdem die Scheidung von Henry VIII für nicht rechtskräftig erklärt wird, wird Elisabeth nach katholischer Sichtweise zum Bastard und eine Thronübernahme illegitim. Mary Stuart sieht sich selbst daher näher am englischen Thron als Elisabeth. Und hier lässt sich eine Weichenstellung in der Beziehung zwischen Mary Stuart und Elisabeth I festmachen. 1558 hat Mary Stuart zwei Möglichkeiten: Sie hätte den Anspruch aufgeben können und die Geschichte hätte einen anderen Verlauf genommen. Sie hätte aber auch, durchaus üblich für die Zeit, den Anspruch einfordern, Elisabeth den Krieg erklären und aus Schottland heraus angreifen können. Je nachdem wie der Krieg ausgegangen wäre, hätte es eine Klärung gegeben. Mary Stuart, zusammen mit ihren Beratern jedoch weit weg in Frankreich, wählt einen dritten Weg: sie nimmt das Wappen Englands in ihr eigenes Schottisch-Französisches auf und macht damit einen Anspruch geltend, ohne ihn direkt einzufordern (Zweig, 2016, S. 40). Von nun an steht sie wie ein Schatten hinter dem Thron Elisabeths, was diese nicht ignorieren kann.

1561, nach dem Tod ihres Mannes Francois II und ihrer Mutter im Jahr zuvor, ist ihre Rückkehr nach Schottland nicht länger aufschiebbar. Sie bittet für ihre Rückkehr nach Schottland bei Elisabeth um ein „safe conduct“ – quasi ein Durchreisevisum –, um die Rückreise zu verkürzen. Elisabeth begreift die Anwesenheit einer zweiten Königin mit Anspruch auf ihren Thron in ihrem Land als Bedrohung und verweigert das gewünschte Dokument (Klein, 2010, S. 86). Für Mary Stuart bezeugt dieses nicht gerade ein ehrerbietiges Verhalten einer gesalbten Königin und Verwandten gegenüber. Es wäre für beide die Chance auf eine freundschaftliche Aussprache gewesen, die Elisabeth hier mit ihrer Reaktion vergibt.

Im Jahre 1563/1564 rückt das Thema Eheschließung auch für die Witwe Mary Stuart wieder auf den Plan. Hier gleichen sich die Geschichten an, beide Frauen sind, auf der Bühne der Weltpolitik, die umworbensten ihrer Zeit (Zweig, 2016, S. 90). Beide erleben aber auch Druck aus dem Umfeld, einen passenden Ehemann zu finden und reagieren gemäß ihrer Persönlichkeit:

Elisabeth verbittet sich nach kurzer Zeit jegliche Einmischung ihres Parlaments in Bezug auf diese Frage und hält das übrige Europa lange Zeit durch strategische Eheverhandlungen u.a. mit dem Bruder des Königs von Frankreich in Schach. Die Eheverhandlungen werden nie umgesetzt, machen es aber für die anderen Staaten, insbesondere Spanien, unsicher, wie sich Allianzen durch ein Heiratsbündnis verschieben würden. Einen Engländer als Ehemann schließt sie kategorisch aus, weil sie damit Unfrieden zwischen den Adligen säen würde. Sie befriedet mit dieser Vorgehensweise England über lange Zeit, sichert ihre eigene Macht und vertagt das Problem der Nachfolgeregelung auf einen späteren Zeitpunkt (Klein, 2010, S. 87).

Mary Stuart hingegen wurde als Königsgattin erzogen und es hat sich ein leidenschaftlicher Charakter entwickelt, für sie ist es undenkbar, nicht zu heiraten. Aber auch sie hat das Problem, welches Bündnis sie eingehen soll, da eigentlich alle in Frage kommenden (Frankreich, Spanien, Niederlande) die Beziehung zu Elisabeth gefährden oder, wenn sie einen Schotten heiratet, die Allianzen zu den verschiedenen Clans und das Gefüge in Schottland (Muhlstein, 2005, S. 85). In dieser Situation schlägt Elisabeth I Mary Stuart vor, ihren Ex-Liebhaber, Lord Robert Dudley, zu ehelichen. Für Elisabeth hat das die Vorteile, dass sie in Schottland jemanden sitzen hätte, der ihr wohlgesonnen ist, sie könnte Robert Dudley mit einer Krone ausstatten, die sie ihm nie geben konnte und wollte, und er ist Protestant. Ob Mary Stuart das als Einmischung in ihre Angelegenheiten auffasst? Gibt es den vielleicht auch nachvollziehbaren Aspekt, den abgelegten Liebhaber der anderen übernehmen zu sollen? Die Eheschließung ist für eine Monarchin keine Privatsache. War sie sich dessen bewusst? War es ihr vielleicht sogar egal? Zu welchen Gedanken Mary Stuart auch immer tendiert, 1565 heiratet sie stattdessen Lord Darnley – ihren Cousin, einen Engländer und Katholiken. Hier war Elisabeth nachweislich verärgert – als Engländer und Verwandter der Königin hat Elisabeth hier erwartet, in die Entscheidung einbezogen zu werden (Muhlstein, 2005, S. 85-98) – es geht um den nun doppelten Anspruch auf den englischen Thron. Dass er auch noch Katholik ist, macht die Situation für beide Länder schwierig, da sich beide im Umbruch befinden. Wenn dieser Aspekt wieder stärker ausgelebt wird, ist es nicht nur für Schottland ein erneuter Wandel, sondern erhöht auch den Druck von Philip II von Spanien auf Elisabeth, der sich Mary Stuarts bedienen will, um sie von ihrem Thron zu vertreiben. D.h. die Eheschließung von Mary Stuart ohne die Einwilligung von Elisabeth erhöht in der Folge den außenpolitischen Druck auf Elisabeth und diese muss sich mit Problemen auseinandersetzen, die in ihren Augen vermeidbar gewesen wären.

1567 stirbt Lord Darnley auf eine Weise, die Elisabeth alarmiert. Diese Situation kennt sie selbst noch von dem Tod der Ehefrau von Dudley und es gibt Briefwechsel, die belegen, dass sie Mary Stuart warnt, sich für jedermann offen und transparent zu verhalten, um jede Mitwisserschaft von sich weisen zu können (Zweig, 2015, S. 236-238). Ist dieses als gut gemeinter Rat angekommen oder wurde es als weitere Einmischung in ihre Belange verstanden?

Die ganze Situation ist mehr als kompromittierend für so einige. Der amtierende König von Schottland wird ermordet, aber Mary Stuart bleibt fast auffällig unbeteiligt. Müsste sie nicht trauern oder Sühne fordern? Die Lords ihrerseits verhalten sich erstaunlicherweise genauso. Warum gibt es keine Schuldzuweisungen oder Forderungen nach Aufklärung (Zweig, 2016, S. 227-232)? All das legt mehr als nahe, dass es auf mehreren Seiten Verstrickungen, zumindest Kenntnis, gegeben hat. Mary Stuart ignoriert zudem Elisabeths Warnungen und heiratet Bothwell, der für viele als der Drahtzieher gilt. Sie scheint ihm vollständig verfallen zu sein (Zweig, 2016, S. 192, 226) und etwas bleibt an ihr haften, denn insbesondere die Eheschließung ruft den schottischen Adel auf den Plan. Die Briefe, die Elisabeth nun an Mary Stuart richtet und in denen sie an die Haltung Mary Stuarts appelliert, bringen diese wiederum unter Druck in Bezug auf ihre Gefühle zu Bothwell. Diese will Bothwell in dem Sinne offenbar „mehr als ihr Leben“ – sprich, mehr als ihre eigene Integrität, ihren Ruf, ihren Rang, ihre Funktion, anders kann man die überstürzte Heirat mit Bothwell nicht erklären. In einer Situation, die Elisabeth ebenfalls kennt und strategisch nach vorn gedacht hat und eine klare Linie gefahren ist, reagiert Mary Stuart emotional und stürzt sich in die nächste Ehe. Vielleicht hätte es ihrem Ansehen schon geholfen, sich nur länger Zeit zu lassen, bis die Wogen sich geglättet haben, woher also diese Eile? Mit dem mehr als fragwürdigen „Prozess“ gegen Bothwell, der auch eine Mitwisserschaft von Mary Stuart immer lauter werden lässt, wird Elisabeth auf den Plan gerufen, die das Ganze nun für sich nutzt. Hätte Mary Stuart sich von Bothwell distanziert, wäre sie moralisch „sauber“ geblieben und genau diesen Umstand nutzt Elisabeth aus, obwohl sie keine Legitimation für ihr Handeln hat (Zweig, 2016, S. 312). Elisabeth verknüpft hier zwei ihrer Probleme: Die Aufklärung des Mordes an Darnley wird zum Ventil für den innenpolitischen Druck, den Mary Stuart mit dem Thronanspruch ausübt.

1568 flieht Mary Stuart dann nach England, um Hilfe von Elisabeth I zu erbitten, ihre Rechte in Schottland durchzusetzen – diese nimmt sie gefangen, um ihr den Prozess für den Mord an Lord Darnley zu machen. Mary Stuart muss das emotional als Verrat aufgefasst haben. Sie bittet um Hilfe und Elisabeth macht ihr, einer von Gott gesalbten Königin, einen Prozess? Elisabeth ihrerseits nutzt den Mord an Darnley für ihre Zwecke, denn tatsächlich fehlt ihr die Rechtmäßigkeit über einen Mord in Schottland in England zu richten (Muhlstein, 2005, S. 156), selbst wenn das Opfer ihr Cousin ist. Aber sie steht innenpolitisch stark unter Druck, sich des „Problems Mary Stuart“ zu entledigen und gleichzeitig reibt das Vorgehen an ihrem Wertesystem: Wie bereits dargestellt, untersteht nach damaliger Denkweise ein gesalbter König keiner menschlichen Gerichtsbarkeit. Auch Mary Stuart beruft sich zunächst auf genau diesen Grundsatz und fordert, dass ihr Wort, sie sei unschuldig, reichen müsse (Zweig, 2016, S. 310-311). Elisabeth garantiert ihr einen unparteiischen Prozess (Zweig, 2016, S. 312) und Mary Stuart willigt – knickt – ein – und sofort arbeiten die englischen Minister daran, sie nach allen Regeln der Kunst zu benachteiligen und vorzuverurteilen (Zweig, 2016, S. 315-316). Im Endeffekt zieht aber Elisabeth dann ihr bisheriges Vorgehen nicht konsequent durch, obwohl sie Mary Stuart selbst in die Ecke getrieben hat und sie nur noch das entsprechende Urteil fällen muss, tut sie es nicht. Sie lebt nach dem Grundsatz, dass Mary Stuart als von Gott gesalbte Königin unantastbar ist. Das Urteil richtet sich somit nur noch gegen Bothwell selbst und Mary Stuart bekommt den Makel, dass lediglich die Beweise nicht ausgereicht hätten.

Das heißt, dass Elisabeth ihren Grundsätzen so sehr verhaftet ist, dass sie trotz allen Drucks, dem sie ausgesetzt ist, nicht die „erstbeste Gelegenheit“ ergreift, sich Mary Stuarts zu entledigen. Elisabeth nutzt aber das Urteil als Gelegenheit, Mary Stuart weiter zu internieren. Vergibt Elisabeth hier erneut eine Chance? Was wäre gewesen, wenn sie Mary Stuart im Anschluss nach Schottland hätte ziehen lassen? Der Ruf von Mary Stuart hat enorm gelitten unter dem Prozess, der in ganz Europa verfolgt wurde. In Schottland war sie ohnehin abgesetzt, für Spanien damit quasi wertlos, in Frankreich ohne Schutz, weil sich sogar die Schwiegermutter von ihr distanziert hat. Sie wäre kaum als Königin von Schottland untergekommen. Hätte Elisabeth sich hier der ganzen Angelegenheit elegant und vor allem unblutig entledigen können? Offenbar ist sie so gefangen in ihrer Denkweise, dass sie Mary Stuart weiterhin in Haft hält und sie damit nahezu zwingt, die Gegenposition zu beziehen und an allen Ansprüchen weiterhin festzuhalten. So macht sie selbst Mary Stuart schon zu Lebzeiten zur Märtyrerin.

Die folgenden 18 Jahre Haft lassen Mary Stuart und ihren Anspruch auf den englischen Thron nicht zur Ruhe kommen. Sie gipfeln 1587 im „Babington“-Komplott. Seit der Gefangennahme wird Mary Stuart also von Schloss zu Schloss verbracht, die jeweiligen Schlossherren sehen ihre Aufgabe als Gefängniswärter durchaus mit gemischten Gefühlen. Der Graf von Shrewsbury sieht sich beispielweise im Konflikt, dass er seiner Königin nicht missfallen will, aber gleichzeitig nicht hart gegen die Frau vorgehen will, die durchaus ebenfalls immer noch seine Herrscherin werden könnte. Er vertut sich die Zeit mit Plaudereien mit Mary Stuart und Elisabeths Staatsrat entrüstet sich, dass er „zu oft wie ein Vertreter der schottischen Königin“ erscheint (Muhlstein, S. 211) – und Mary Stuart wird wieder verlegt. 1585 wird sie erst nach Tutbury verbracht und später aus Gesundheitsgründen nach Chartley Hall. Die Haftbedingungen werden nach der Erfahrung mit Shrewsbury verschärft. Mary Stuart entwickelt jedoch ein ausgeklügeltes Informationsnetz und Chiffriersystem und Informationen über immer neu ausgeklügelte Komplotte beweisen ihr, dass sie für die Außenwelt nicht verschwunden ist. Es etabliert sich über die Zeit ein raffiniertes System, in dem Briefe und Pakete getauscht werden und in dem Mary Stuart sich wähnt, Unterstützer in ihrer Sache zu haben. Es ist jedoch ein von Sir Francis Walsingham, Elisabeths Staatssekretär, inszeniertes System. Sein Spionagenetz, die Codierung und Entschlüsselung von Nachrichten sowie der Einsatz von Agenten und Doppelagenten gilt als Vorläufer des heutigen MI6 und ist beispiellos in der Zeit. Die Nachrichten, die Mary Stuart erhält und selbst schreibt, werden von Walsingham mitgelesen. Am 20. Mai 1586 schreibt Mary Stuart an einige englische Anhänger, dass sie die von Philip II von Spanien geplante Invasion befürworte und versuchen werde, ihren Sohn ebenfalls davon zu überzeugen. Dieses zeugt von einer gewissen Realitätsferne. Ihr Sohn, Jakob VI, ist mittlerweile selbst in Kontakt mit Elisabeth und hat keinerlei Interesse, diese Beziehung zu gefährden.

Er hat bereits versucht, sich selbst als Nachfolger ins Spiel zu bringen. Dieses wurde von Elisabeth ignoriert, aber er ist klug genug, das Thema nicht zu forcieren und auf die Zeit zu setzen.

Dieses ist jedoch etwas, was Mary Stuart aufgrund der Gefangenschaft nicht bewusst wahrnimmt, da sie zwar durch die Briefwechsel einen Blick auf die Außenwelt hat, aber einen stark gefärbten. Sie korrespondiert im Wesentlichen mit Menschen, die ihre Ideen teilen, der Rest wird durch den eingeschränkten Kontakt zur Außenwelt herausgefiltert. Mary Stuart erhält einen Brief des jungen Engländers Babington, der ebenfalls im Hause des Grafen Shrewsbury dem Charme von  Mary Stuart verfallen war, in dem er alle Einzelheiten eines geplanten Attentats auf Elisabeth offenlegt. Mary Stuart ihrerseits gibt nicht nur ihr Einverständnis, sondern fügt offenbar noch persönliche Ratschläge hinzu.

Im August wird alles offengelegt und Mary Stuart damit konfrontiert. Erneut wird ihr ein Prozess gemacht, diesmal wegen Anstiftung eines Attentats an Elisabeth. Wieder wird der Prozess „unter Missachtung primitivster Rechtsbegriffe inszeniert“ (Zweig, 2016, S. 384). Dennoch, Elisabeth ihrerseits dreht und windet sich. Ihr ist bewusst, dass sie die Geschichtsschreibung ändern wird, wenn sie ein gesalbtes Königshaupt richtet. Ihr Staatsrat sucht fieberhaft nach Beispielen aus der Geschichte, um sie zu überzeugen, sie werden jedoch nicht fündig. Später werden andere dieses Urteil als Präzedenzfall nehmen, als z.B. Ludwig XVI und Marie Antoinette gerichtet werden. Elisabeth fragt zahllose Male bei verschiedenen Ministern nach, ob es nicht noch andere Möglichkeiten gibt, die Sache zu regeln (Zweig, 2016, S. 388-393). Sie ist zerrissen zwischen der Notwendigkeit und dem Wunsch, Mary Stuart als Widersacherin los zu sein, aber sie scheut die Übernahme der Verantwortung, da sie gegen ihr Gewissen kämpft und lotet aus, wie sie in den Augen der Welt dasteht (Zweig, 2016, S. 389). Sie hofft auf ein Zeichen der Reue bei Mary Stuart, aber hier zeigt sich zum wiederholten Male eine anderes Persönlichkeitsmerkmal von Mary Stuart: Stolz und Haltung.

Am Ende, so scheint es, hat Elisabeth mehr Angst, Mary Stuart zu töten, als Mary Stuart davor, zu sterben. Elisabeth unterschreibt das Urteil am 01. Februar 1587. Mary Stuart erhält die Ankündigung der Vollstreckung an dessen Vorabend. Sie verteilt ihr Hab und Gut per Testament an ihre Bediensteten, wählt das Kleid für den Tag der Hinrichtung und lehnt die Sterbesakramente der Kirche von England, welche man ihr gewährt, unter Bezugnahme auf ihren katholischen Glauben ab. Sie beruhigt ihre Hofdamen und Dienerschaft und betritt am nächsten Tag ruhig und gefasst das Schafott für ihre Hinrichtung, jeder Zoll ihrer Erscheinung eine Königin von Schottland (Zweig, 2016, S. 403 ff). Am 08. Februar 1587 wird die Hinrichtung von Mary Stuart schließlich vollzogen.

4.      Die hypothetische Mediation

4.1.       Der geeignete Zeitpunkt der Mediation

Um einen geeigneten Zeitpunkt für eine Mediation auszumachen,  muss identifiziert werden, in welche Phasen die einzelnen Aspekte des Konflikts fallen. Die Eskalationstheorie nach Friedrich Glasl (2012, S. 18ff) und seine Unterteilung in drei Phasen mit jeweils 3 Stufen kann wie folgt interpretiert werden: Die Situation ist über das Erbe vorgespannt, die Aktionen von Henry VIII haben Weichen gestellt und bilden den Boden, auf den das Ganze fällt. Eine „Verhärtung“ der Situation (Stufe 1) ist latent vorhanden, fällt aber nicht auf die beiden selbst zurück. Wenn man sich die hier beschriebenen Situationen anschaut, kann man die Ereignisse 1558 – die Aufnahme des englischen Wappens in das Wappen von Mary Stuart – und 1561 – der verweigerte „safe conduct“ – als „Nadelstiche“ verstehen, als „Taten folgen Worten“ von Stufe 3. Als Elisabeth sich in die Wahl des Ehemannes von Mary Stuart einmischt, was zwar aus ihrer Sicht nachvollziehbar ist, aus der Sicht von Mary Stuart aber vielleicht einen Schritt zu weit geht, wird möglicherweise für sie von der Ebene der sachorientierten Auseinandersetzung im wahrsten Sinne des Wortes zur Beziehungsebene gewechselt und die beiden befinden sich in der zweiten Hauptphase, ungefähr in Stufe 4. Wenn die Einschätzung richtig wäre, wäre ab hier eine Moderation nicht mehr ausreichend, sondern eine Mediation sinnvoll.

Die Ermordung Darnleys 1567 und die im Raume stehende Mitwisserschaft von Mary Stuart zeigen, dass hier ein weiterer Konflikt geschwelt hat, der sich nun gewaltsam entladen hat und der sekundär auch den Konflikt zwischen Mary Stuart und Elisabeth weiter verschärft. Dass Mary Stuart sich mit der überstürzten Eheschließung selbst kompromittiert ist das eine, aber Elisabeth nimmt hier den Faden auf, indem sie sich zur Richterin über Mary Stuart macht, als diese nach England flieht. Hier nimmt der Konflikt sozusagen an „Fahrt auf“:

Elisabeth stellt öffentlich klar, dass sie Mary Stuart zumindest für kompromittiert hält, dieses wäre dann der Stufe 5, dem „Gesichtsverlust“ zuzuordnen. Sie bringt Mary Stuart dazu, in einen Prozess einzuwilligen, dessen Spielregeln sie nicht nur festsetzt, sondern in Gestalt ihrer Minister auch ändert.

Der Prozess ist weder unparteiisch noch fair – einige Historiker möchten hierfür nicht einmal das Wort Prozess verwenden, weil es das heutige Verständnis darüber nachträglich beschädigen würde. Das könnte man schon als die nächste Stufe 6 interpretieren, wo nun offen mit Konsequenzen gedroht wird. Der Prozess selbst sowie der resultierende Verlust ihres Rufes, ob verschuldet oder nicht, eskaliert das ganze weiterhin nach Stufe 7.

Die letzte Stufe 9 „Gemeinsam in den Abgrund“ wird erreicht, als Mary Stuart das Mordkomplott an Elisabeth befürwortet. Es muss ihr klar sein, dass, wenn das Ganze auffliegt, sie nicht mehr zu retten ist und sie sich selbst den größten Schaden zufügt. Selbst wenn Elisabeth hier noch während des Prozesses auf ein Zeichen der Reue von Mary Stuart wartet – Hier sind die Parteien einer möglichen Mediation längst entglitten.

Anhand des Modells von Glasl lässt sich daraus ableiten, dass die Durchführung einer Mediation möglich gewesen wäre bis zu dem Zeitpunkt, als Mary Stuart nach England geflohen ist, um sich Hilfe von Elisabeth bei der Durchsetzung ihrer Rechte in Schottland zu erbitten, vorzugsweise allerdings, schon bevor der Mord an Darnley geschieht. Es ist aber vorstellbar, dass erst der Mord das Bewusstsein beider Frauen soweit geschärft und den Handlungsbedarf sichtbar gemacht hätte, so dass beide vielleicht erst danach eingewilligt hätten. Der Verlauf des Konflikts zeigt ebenfalls sehr deutlich, dass es ohne Mediation zur Zeit des Prozesses, wie in dem Modell von Glasl beschrieben, eigentlich nur eine „Gewinnerin“ – Elisabeth – gibt. Zu groß ist schon der angerichtete Schaden, den sich Mary Stuart in weiten Teilen aber auch selbst zufügt.

4.2.       Der Mediator

Entsprechend der Verhältnisse in Großbritannien im 16. Jahrhundert, wäre eine große Herausforderung für die anstehende Mediation gewesen, einen geeigneten und von beiden  Seiten akzeptierten Mediator zu finden. Er – oder in diesem Fall vielleicht sogar eher Sie[1] – hätte keine zu enge Verbindung weder zu Königin Elisabeth I noch zu Mary Stuart haben dürfen, um nicht von vornerein die Allparteilichkeit und Neutralität zu gefährden, die von ihm per Mediationsgesetz (2012, §1(2) und §2(3)) erwartet wird. Möglicherweise hätten aber beide Parteien für sich in Anspruch genommen, dass der Mediator grundsätzlich mit dem Regierungsgeschäft eines Monarchen vertraut ist – Fachkenntnis ist keine Voraussetzung für einen Mediator, es stärkt aber das Vertrauen in ihn. Es kann übersetzt werden mit Kenntnis/Erfahrung im eigentlichen Handwerk, dem Vermitteln zwischen Streitenden, und einer Kenntnis der ungefähren Rahmenbedingungen der beiden Königinnen bzw. der Medianden.

Elisabeth wäre vermutlich schon deshalb in eine Mediation eingetreten, weil es für sie ein möglicher Ausweg gewesen wäre, den Konflikt ohne Blutvergießen zu beenden. Mary Stuart hingegen hätte vielleicht nicht aus eigenem Antrieb in eine Mediation eingewilligt. Vermutlich aber hätte auch sie eingewilligt, wenn ihr Umfeld darauf gedrängt hätte.

Eine konkrete Person, die die Mediation hätte durchführen können, konnte von der Autorin nicht ausgemacht werden. Die Geschichtsschreibung beschreibt meist nur Personen detaillierter die aus dem Umfeld beider Frauen stammen. Diese wären dann aber auch schon zu dicht an den beiden Frauen „dran“ gewesen, so dass die Neutralität nicht mehr gewahrt gewesen wäre. Im Interesse der Fragestellung wird jedoch davon ausgegangen, dass ein Mediator auffindbar gewesen wäre.

4.3.       Das Setting

Legt man den Verlauf der Geschichte zugrunde, wäre eine Mediation nicht gerade vereinfacht worden durch den Fakt, dass Elisabeth I und Mary Stuart sich persönlich nie begegnet sind. Daher wäre eine so genannte Shuttle-Mediation (Diez, 2005, S. 79-80) wahrscheinlich.

Die interessantere Alternative, sowohl für die persönliche Klärung als auch für eine Lösungsfindung, wäre sicherlich gewesen, die beiden hätten sich für die Sitzungen persönlich getroffen. Da Mary Stuart im Verlauf der 18-jährigen Gefangenschaft in England auf mehrere Burgen und Schlösser verbracht wurde, wäre es jedoch ohne weiteres möglich gewesen, eines in relativer Nähe zu London, auch damals schon dem Sitz der Königin, zu finden bzw. die Mediation dort stattfinden zu lassen. Es wird daher davon ausgegangen, dass die Mediation zwischen beiden Personen gemeinschaftlich an einem Ort durchgeführt worden wäre.

4.4.       Die Beteiligten

Es wird vorausgesetzt, dass die Beteiligten an  dieser Mediation Mary Stuart und Elisabeth I sind. Auch die Freiwilligkeit an dieser Maßnahme, eine Grundvoraussetzung für die Durchführung und auch den Erfolg derselben, wird daher ebenfalls vorausgesetzt.

Es stellt sich die Frage, ob es weitere notwendige Beteiligte an dieser Mediation gegeben hätte, oder ob sie mit diesen beiden Personen bereits hinreichend für die Problemstellung abgedeckt wäre. Grundsätzlich könnte man sich fragen, ob nicht auch Philip II von Spanien mit einbezogen werden muss: er versuchte, Mary Stuart zu instrumentalisieren, um Elisabeth I buchstäblich zu vernichten und England der spanischen Krone und dem Katholizismus zuzuführen. Hier lässt sich aber schließen, dass, wenn Einigkeit zwischen den beiden Königinnen geherrscht hätte, Philip II sich nun zwei Ländern gegenüber gesehen hätte, die er aber nicht mehr hätte gegeneinander ausspielen können.

Mit den beiden Königinnen sitzen die Hauptprotagonisten am Tisch. Von ihnen wurden der oder die Konflikt/e getrieben und sie wären auch in der Lage gewesen, Änderungen vorzunehmen und umzusetzen. Weitere Personen werden daher hier, auch aufgrund der Komplexität, nicht weiter betrachtet. In der Realität würden sie ggfs. an späterer Stelle während der Mediation hinzugezogen, falls sich im Verlauf herausstellen sollte, dass sie doch einen wesentlichen Beitrag zur Klärung leisten könnten oder zur Umsetzung von Lösungsoptionen benötigt würden.

4.5.       Die Themensammlung

Aus der beschriebenen Ausgangssituation, den Persönlichkeitsmerkmalen und der Konfliktbeschreibung lassen sich die folgenden Themen ableiten, die bei einer Mediation eine Rolle gespielt haben dürften:

Königin Elisabeth I Mary Stuart
Umgang mit dem legitimierten Anspruch von Mary Stuart auf den englischen Thron Umgang mit dem legitimierten Anspruch von Mary Stuart auf den englischen Thron
Umgang mit der Ermordung Darnleys Aufruf zur Hilfe an Elisabeth I bei der Durchsetzung ihrer Macht in Schottland
Mary Stuarts aktive Rolle als Bedrohung für ihre Macht bzw. Leben Beteiligung von Elisabeth I an ihren Heiratsplänen

Setzt man die Mediation um den ersten Prozess herum an, wäre der letzte Punkt auf der Seite von Elisabeth – die aktive Rolle von Mary Stuart als Bedrohung von Macht und Leben von Elisabeth – womöglich weggefallen, weil es vielleicht nicht so weit gekommen wäre. Nachfolgend würden die beiden Mediandinnen eine Priorisierung der Punkte vornehmen und eine Reihenfolge festlegen, in der die einzelnen Punkte geklärt werden würden. Dieses wird im nächsten Abschnitt weiter beleuchtet.

4.6.       Die Interessensphase

In diesem Fall wäre sicherlich das beherrschende Thema beider Frauen der Umgang mit dem Thronanspruch von Mary Stuart gewesen.

Von Elisabeth wäre hier vermutlich geäußert worden, dass sie, aufgrund der legitimen Geburt ihrerseits in einer Ehe des Königs mit einer Königin und der vom Parlament beschlossenen Aufnahme in die Thronfolge, eine von Gott gesalbte Königin ist und damit ihr Recht als Herrscherin von England wahrnimmt und ausübt. Da es ihr zusteht, über eine Nachfolge zu entscheiden, ist es für sie inakzeptabel, dass Mary Stuart sich selbst als eine Thronerbin sieht und aktiv zu ihren Lebzeiten danach strebt. Alles, was in dieser Hinsicht von Mary Stuart unternommen wird, wird als feindlicher Akt interpretiert und entsprechend geahndet.

Mary Stuart ihrerseits sieht sich ebenfalls als eine von Gott gesalbt Königin mit einem legitimen Anspruch auf den englischen Thron. Sie folgt der katholischen Kirche und damit der Sichtweise des Papstes und somit ist Elisabeth für sie nicht nur unrechtmäßig auf dem Thron Englands, sondern sie fühlt sich damit auch legitimiert, hier eine Änderung zu ihren Gunsten hervorzurufen.

Es scheint somit naheliegend, dass beide Frauen auch die Position und Haltung der jeweils anderen sehr genau verstehen würden bzw. vermutlich verstanden haben – sie spiegelt jeweils die eigene Position und Haltung wieder.

Die beiden Sichtweisen prallen somit aufeinander und sind in dem Sinne nicht aufzulösen, da hier hinter jeder Frau in Form von Gott eine andere Instanz steht, die beide in ihrer jeweiligen Position und Sichtweise legitimiert. Der Widerspruch ist inhärent und nicht auflösbar. Hier würde keine zur Seite treten und die andere „passieren“ lassen. Dieser Aspekt steht so prominent im Vordergrund, dass der nächste Punkt – Umgang mit der Ermordung Darnleys – vermutlich gar nicht mehr vordergründig diskutiert werden würde, weil auch hier immer die prominentere Frage des Thronanspruchs im Wege steht bzw. die beiden Frauen immer auf die eine Frage zurückfallen würden. D.h. auch die anderen Punkte wären dahinter zweitrangig gewesen und hätten sich möglicherweise auch aufgelöst oder mitgeklärt, wenn die eine Fragestellung hätte gelöst werden können. Weitere Folgen wären gar nicht erst eingetreten.

Und hieran wird auch das ganze Dilemma deutlich: Die Situation muss eskaliert genug sein, um überhaupt eine der beiden zum Einlenken bewegen zu können. Gleichzeitig bestärken aber auch die Sichtweisen beide darin, für sich richtig und nur so handeln zu können und ggfs. damit in Kauf zu nehmen, zur Märtyrerin (Mary Stuart) bzw. zur Richterin und Schützerin des eigenen Landes (Elisabeth) zu werden.

4.7.       Die Optionsphase

Wenn man sich z.B. über ein Brainstorming oder andere Kreativitätsmethoden nähert, gibt es – ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Umsetzbarkeit – folgende Optionen, die dann im nächsten Schritt von den Medianden bewertet werden:

Königin Elisabeth I Mary Stuart
Königin Elisabeth I agiert als Fürsprecherin von Mary Stuart in Schottland Mary Stuart verzichtet auf den Thronanspruch in England
Königin Elisabeth I legt sich auf Mary Stuarts Sohn als ihren Nachfolger fest Mary Stuart verzichtet auf den Thronanspruch in Schottland zugunsten ihres Sohnes
Königin Elisabeth I dankt ab und übergibt an Mary Stuart Mary Stuart fordert ihren Sohn als Nachfolger für England und Schottland
Königin Elisabeth I dankt ab und übergibt an Mary Stuarts Sohn Mary Stuart/Nachfolger führt als offizielle Staatsreligion wieder den Katholizismus ein
Königin Elisabeth I heiratet und überlässt ihrem Ehemann weite Teile ihres Amtsgeschäfts Mary Stuart geht freiwillig in die Verbannung
Königin Elisabeth I führt wieder den Katholizismus ein
Königin Elisabeth I behält Mary Stuart in England

 

4.8.       Bewertung/Verhandlung der Optionen

Mit den genannten Optionen ergeben sich hier mehrere Hürden: Zum einen existiert in den einzelnen Optionen quasi kein Verhandlungsspielraum, d.h. entweder die Option funktioniert als solche, oder eben nicht. Wenn man beispielsweise als Option vereinbart, man führt irgendwo eine Regelkommunikation ein, kann man diskutieren über die Häufigkeit, die Dauer, den Ort, die Art, die Beteiligten, etc. Dieser Spielraum existiert bei z.B. einer Abdankung nicht. Entweder man dankt ab oder eben nicht – es gibt kein „teilweise“. Genauso verhält es sich bzgl. der Einführung einer Staatsreligion – die Säkularisierung, also die Trennung zwischen Kirche und Staat war noch nicht geboren – und den einen Sonntag so, den anderen so, war keine Option.

Zum anderen, so hat es Wicquefort bei den Verhandlungen um den westfälischen Frieden 1648 (Wicquefort, 1682, in Duss von Werdt, 2008) bereits erkannt, muss eine Bereitschaft zum Verhandeln existieren, was erfordert, dass beide Mediandinnen ein Stück weit aus ihrer Position heraustreten und einen „neuen Blick“ auf ihre Sicht der Dinge werfen. Dieser andere Blick auf die Dinge scheint aber hier genau der fragliche Knackpunkt zu sein, und er wird erschwert auch aufgrund der Kompromisslosigkeit der Optionen.

Und die mangelnde Verhandlungsbereitschaft begründet sich nicht nur auf der fehlenden „Verhandlungsmasse“, sondern die beiden Frauen kommen sich immer wieder mit den gleichen und unvereinbaren Ansprüchen „in die Quere“ – Ansprüche bzgl. des Throns aber auch bzgl. der Unantastbarkeit einer von Gott gesalbten Königin.

Aus Sicht von Elisabeth kann man daher wohl sagen, dass alle Optionen, bei denen sie selbst hätte heiraten, abdanken oder den Katholizismus einführen sollen, für sie definitiv keine Optionen darstellen. Als Herrscherin legt sie die Regeln fest und dazu ist sie nicht nur erzogen worden, sondern sie hat die Fähigkeiten und sich in dieser Position behauptet und das verteidigt sie auch.

Aus Sicht von Mary Stuart ist sowohl eine freiwillige Verbannung als auch die Aufgabe ihrer Ansprüche in Schottland undenkbar. Sie erkennt auch die Abdankung zugunsten ihres Sohnes nicht an, sondern versucht weiterhin ihre Ansprüche durchzusetzen. Ein Verzicht ihrer Ansprüche in England kommt für sie ebenfalls nicht in Frage, der Papst selbst legitimiert diesen.

Optional bleiben die Festlegung einer Nachfolgeregelung und die Unterstützung von Mary Stuart in Schottland durch Elisabeth. Eine Nachfolgeregelung ist Elisabeth selbst Jakob VI gegenüber nicht eingegangen, mit dem sie mittlerweile in einer Beziehung steht und der seinerseits bislang vergeblich versucht hat, sie dazu zu bewegen (Muhlstein, 2005, S. 216-217). Die zweite Option kann Elisabeth nur eingehen, wenn Mary Stuart eine Mitwisserschaft am Mord von Darnley glaubhaft verneinen kann. Im Prinzip verschiebt das den Zeitpunkt einer machbaren Mediation vor den Mord – und dann tritt wieder, wie oben beschrieben, das Dilemma auf, dass keine der beiden überhaupt die Notwendigkeit einer Einigung gesehen hätte. Vielmehr hätten sie beide auf ihren jeweiligen Rechten beharrt – und wären bzw. sind dafür auch eingestanden.

5.      Erfolgsaussichten der Mediation

So unterschiedlich die beiden Frauen waren, sie waren sich absolut einig in der Auslegung ihrer Positionen und Rollen und dem sich daraus ergebenden Selbstverständnis. Interessant dabei ist, dass Elisabeth, so überlegen sie in Bezug auf ihre Fähigkeiten schien, so wenig hat Mary Stuart sie zur Ruhe kommen lassen. Beide haben sich somit alles abverlangt. Man kann sicher aus den Ereignissen schließen, dass Elisabeth nicht das vorrangige Ziel hatte, das Problem, welches Mary Stuart für sie darstellte, gewaltsam zu lösen. Sie hat Zeit ihres Lebens nur sehr selten extrem reagiert, sondern im Gegenteil immer Positionen gesucht, die verbinden. Hier waren beide Frauen so sehr in ihren Glaubenssätzen, in ihrem Leben und in ihrem Blickwinkel verhaftet, dass beide Möglichkeiten haben verstreichen lassen, die vielleicht eine Wendung hätten herbeiführen können.

Es ist unwahrscheinlich, dass beide Frauen sich der Situation oder des Ausmaßes nicht auch voll bewusst gewesen wären. Und das gilt bis in den Tod von Mary Stuart: Sie hatte lange Zeit, ihre harte Linie aufzugeben oder zumindest aufzuweichen. Und das war nicht nur eine Frage ihres Naturells. Für sie waren ihre Ansprüche – genau wie für Elisabeth auch – unverrückbar. Der entscheidende Punkt dürfte gewesen sein, dass beide Frauen eine andere Instanz, nämlich Gott, über sich gesehen haben, die sie beide in widersprüchlicher Weise legitimiert hat – und das hat eine Lösung verhindert. Es hat beiden Frauen die Autonomie in ihrer Entscheidung gefehlt, sich (rechtzeitig) von ihrem Glaubenssatz zu lösen. Erst mit dem Urteil zur Hinrichtung von Mary Stuart ist Elisabeth dieser Schritt gelungen, aber die bis dahin eingetretenen Ereignisse haben keine andere Lösung mehr erlaubt.

Insofern ist es mehr als stimmig, dass Mary Stuart diese Position bis zur allerletzten Sekunde, bis das Fallbeil fällt, auch beibehält. Ob sie wohl geahnt hat, dass ihr genau diese Haltung „Unsterblichkeit“ verleihen würde? Wäre sie irgendwann auf den „letzten Metern“ in ihrer Position eingebrochen, hätte um Gnade ersucht oder wäre von ihren Ansprüchen zurückgetreten, hätte sie Elisabeth in ihrer Position bestätigt und deren Handeln rechtfertigt.

Nach Auffassung der Autorin waren die Positionen, die möglichen „Kompromisse“ und die fehlende Autonomie beider Mediandinnen so unvereinbar, dass die Mediation ergebnislos abgebrochen worden wäre. Auch ein Mediator wäre hier nicht in der Lage gewesen, z.B. neue Aspekte hervorzuholen – weil es keine gab. Er hätte die Positionen wechselseitig vermittelt und sie wären – sie sind auch ohne Mediation – von beiden verstanden worden – aber sie konnten von keiner der beiden Frauen geändert werden. Für diese Einschätzung spricht auch, dass Elisabeth I keine Lösungsansätze gefunden hat, obwohl sie ihr Kabinett sehr lange danach hat suchen lassen.

Die Geschichte der beiden Frauen zeigt sehr einprägsam, wie wichtig die Allparteilichkeit und Neutralität des Mediators, aber auch die Ergebnisoffenheit und Autonomie der Medianden ist. Erst wenn sich beide gleich behandelt fühlen, werden sie überhaupt in die Mediation einsteigen und dabei bleiben. Jemand, der in dem Ganzen eine aktive Rolle einnimmt, insbesondere eine der Streitparteien, kann trotz aller Bemühungen nicht zum unparteiischen Vermittler werden, da er gerade nicht neutral ist. Elisabeth hat das eindrucksvoll in diesem Szenario gezeigt. Sie hat eben nicht nur Positionen ihres Kabinetts „durchgeleitet“, sondern es ging immer um sie selbst als Betroffene und als diese hat sie die Entscheidung getroffen. Aber es muss schlussendlich auch Spielraum in den Optionen und Entscheidungen geben, damit die Medianden sich aufeinander zubewegen können.

Aus der Analyse der Geschehnisse und der Charakterzüge der beiden Medianden wird daher der Schluss abgeleitet, dass auch eine Mediation nicht das Leben von Mary Stuart hätte retten können.

6.      Kontrafaktische Geschichtsschreibung: Mary Stuart lebt – Konsequenzen und Gedankenspiele

Was wäre gewesen, wenn die Mediation erfolgreich gewesen wäre und Mary Stuart überlebt hätte? Wenn Mary Stuart zurück nach Schottland gekommen wäre, ihren Thron „zurückerobert“ hätte und Schottland und England als eine (protestantische) Einheit aufgetreten wären?

Vielleicht hätte man sogar die Allianz mit Frankreich halten können, die ja aufgrund der zwielichtigen Rolle Mary Stuarts erst ins Wanken geraten ist – hätte Philip II von Spanien dann wohl mit seiner Armada den Ärmelkanal überhaupt überquert – bevor er in ihm und mit ihm eine Weltmacht versunken ist? Auch Philip II brauchte einen handfesten Grund, den Krieg zu erklären und den hat die Enthauptung von Mary Stuart geliefert. In einem Bündnis von Schottland, England und Frankreich, wäre Philip II vielleicht zu Hause geblieben. Das Endergebnis wäre voraussichtlich dasselbe gewesen: König Jakob VI von Schottland wird auch König Jakob I von England in Personalunion, sogar zum selben Zeitpunkt: dem Tag an dem Elisabeth I von England stirbt.

Dieses provoziert nahezu eine andere kontrafaktische Fragestellung: Was wäre wohl gewesen, wenn Mary Stuart kein Mädchen, sondern ein Junge gewesen wäre – und es ein Ehebündnis mit Elisabeth I gegeben hätte?

7.      Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob das Leben von Mary Stuart durch eine Mediation hätte gerettet werden können. Dazu wurde versucht, anhand der historischen Beschreibung Schlüsselstellen im Leben und der Charaktere von Elisabeth I und Mary Stuart auszumachen, aus denen sich ableiten ließe, wie die beiden sich in einer Mediation verhalten hätten. Mittels des Modells von Glasl zur Konflikteskalation wurde ein Zeitpunkt für eine mögliche Mediation ausgemacht und hier dann entsprechend des Ablaufs einer Mediation vorgegangen. Dabei zeigte sich, dass, nach Auffassung der Autorin, auch eine Mediation zwischen den beiden Frauen kein anderes Ergebnis als das tatsächliche hervorgerufen hätte. Das Beispiel bestätigt somit auch, dass die entwickelten Grundsätze zur Durchführung der Mediation, wie Neutralität, Ergebnisoffenheit, Freiwilligkeit, ihre Berechtigung haben und dennoch der Mediation Grenzen gesetzt sein können, die sich in den Beteiligten begründen. Die Mediation ist damit ein wichtiger Baustein der außergerichtlichen Vermittlung, aber auch kein „Allheilmittel“.

Das Beispiel zeigt aber auch, dass, sogar für heutige Verhältnisse, hier zwei außergewöhnliche Frauen ihren gleichzeitigen Platz in der Geschichte gefunden haben. Man erinnert sich jeweils an die eine, weil es auch die andere gegeben hat. Beide unter einer Königskrone geboren, nahmen die beiden Leben einen grundsätzlich anderen Verlauf. Beide arbeiteten mit dem, was ihnen gegeben war und haben sich damit gegenseitig das Letzte abgefordert: Auf der einen Seite eine politisch hoch begabte Elisabeth, deren Regierungszeit zum „goldenen Zeitalter“ wurde und dem sie alles andere untergeordnet hat. Auf der anderen Seite eine politisch unbegabte Mary Stuart, die in ihrer Leidenschaftlichkeit aber eine ebenso stählerne Unbeugsamkeit besaß und die bereit war, für ihre Ansprüche zu sterben.

 

Literaturverzeichnis

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Brendel, Heiko, Johannes-Guttenberg-Universität Mainz, im Interview, 2012: https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/waere_alexander_nicht_323_v._chr._gestorben?nav_id=4054

Cowley, Robert, Editor, 2000, Berkeley Books, New York: “What If? The World’s Foremost Military Historians Imagine What Might Have Been”, Geoffrey Parker: “The Repulse of the English Fireships – The Spanish Armada Triumphs, August 8, 1588”

Diez, Hannelore, 2005: „Werkstattbuch Mediation“, Centrale für Mediation GmbH & Co. KG

Duss von Werdt, Joseph, 2000: „…denn zu Unrecht ein Teil würd‘ vom anderen gedrückt (Solon)“. Die letzten 2500 Jahre Mediation in Europa“. In: Geissler, P (Hrsg.): „Mediation – die neue Streitkultur“, Giessen, Psychosozial-Verlag

Duss von Werdt, Joseph, 2005: Homo Mediator – Geschichte und Menschenbild der Mediation, Klett-Cotta-Verlag, „Solon – innenpolitischer Vermittler im Athen des 6. Jahrhunderts v. Chr.“

Duss von Werdt, Joseph, 2008: „5 Jahre Friedens-Mediation in Münster“, Vortrag auf der LWL/BAFM-Fachtagung vom 15.11.2008, www.mediationswerkstatt-muenster.de

Fisher, R., Ury, W., Patton, B., 2013: „Das Harvard-Konzept: Der Klassiker der Verhandlungstechnik“, Campus-Verlag

Friedmann, Gary, Himmelstein, Jack, 2013: „Konflikte fordern uns heraus – Mediation als Brücke zur Verständigung“, Wolfgang-Metzner Verlag

Glasl, Friedrich, 2012: „Konfliktlösungs-Tools: Klärende und deeskalierende Methoden für die Mediations- und Konfliktlösungspraxis“, managerSeminare Verlags GmbH

Klein, Jürgen, 2010: „Elisabeth I und ihre Zeit“, beck’sche Reihe, Verlag C.H. Beck, 2. Aufl.

Lück, Kerstin: „Literarische Mediation“, Blog: https://literarische-mediation.de/, Stand Januar 2018

Mediationsgesetz vom 21. Juli 2012 (BGBl. I S. 1577), das durch Artikel 135 der Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474) geändert worden ist

Muhlstein, Anka, 2005: „Die Gefahren der Ehe – Elisabeth von England und Maria Stuart“, Insel Verlag

Schiller, Friedrich, 2015: „Mary Stuart“, Trauerspiel in 5 Aufzügen, Uraufführung 14.06.1800, Reclam-Universalbibliothek Nr.64

Wicquefort Abraham, de (1682): „L’Ambassadeur et ses fonctions“, Köln (1. Auflage 1681) 31689/90 (Pierre Marteau)

Zweig, Stefan, 2016: „Mary Stuart“, 4. Auflage, Fischer Verlag

[1] Im weiteren Verlauf wird hier verallgemeinernd die männliche Sprachform benutzt, grundsätzlich sind beide Geschlechter gemeint.

 

Zur Autorin: 

Dr. Anke Kovar ist Standortleiterin im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und arbeitet nebenberuflich als zertifizierte Mediatorin mit Schwerpunkt Wirtschaft.

Ein Kommentar zu Musste Mary Stuart zwangsläufig sterben ...

  1. Rossmanith, Dr. Birgit says:

    Spannend, die Charakterbeschreibungen der Konfliktparteien, besonders in „Mediations-relevanten“ Kriterien.
    Die Gedanken zum „geeigneten Zeitpunkt der Mediation“ und zu den „Erfolgsaussichten der Mediation“ können MediatorInnen / KonfliktmoderatorInnen dazu anregen, bei Vorüberlegungen zur Vorgehensweise bei einem konkreten Konfliktfall genauer hinzuschauen.

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