Wohlwollen, Anerkennung und Dankbarkeit

„Fast niemand bemerkt von sich aus das Verdienst eines anderen.“ (Jean de laBruyère)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

heute möchte ich Sie auf ein fast in Vergessenheit geratenes Wort aufmerksam machen. Es entstammt der Philosophie und Ethik Imanuel Kants: „Wohlwollen“. Es bedeutet kurz gesagt eine weitgehend uneigennützige Gesinnung, anderen Gutes zu wünschen und ihr Wohlergehen zu fördern, selbst wenn diese Person nicht gemocht wird.

Wohlwollen, Anerkennung und Dankbarkeit gehören zu den stillen Kräften, die menschliches Zusammenleben tragen. Sie verändern nicht immer die äußeren Umstände, aber sie verändern die Art, wie wir einander begegnen. Wer sie erfährt, spürt: Mein Beitrag wird gesehen. Meine Mühe bleibt nicht unbeachtet. Ich bin nicht nur Teil eines Ablaufs, sondern Teil eines lebendigen Miteinanders. Es wurde hingeschaut, wahrgenommen, verstanden, was mein Einsatz bedeutet.

Dankbarkeit erinnert uns daran, dass vieles nicht selbstverständlich ist. Sie schützt vor dem schnellen Anspruchsdenken und öffnet einen Raum für Wertschätzung. Wohlwollen ist in diesem Kontext ein vermittelnder Begriff. Es verlangt, auch jenen gegenüber, die wir nicht mögen, eine wertschätzende gutartige Haltung zu zeigen, also Neid, Konkurrenz oder Antipathie nicht dominieren zu lassen. Eine reife Dankbarkeit kann auch dort bestehen, wo etwas anstrengend war. Sie erkennt an, dass selbst herausfordernde Situationen Lernräume öffnen können. Anerkennung wiederum bedeutet nicht, jede Handlung gutzuheißen. Wohlwollen kann auch dort möglich sein, wo man unterschiedlicher Meinung ist, weil sie den Menschen nicht auf einen einzelnen Konflikt reduziert.

Vielleicht liegt die größte Kraft von Wohlwollen, Anerkennung und Dankbarkeit darin, dass sie Gegenseitigkeit ermöglichen. Wer andere würdigt, stärkt nicht nur sie, sondern auch die eigene Wahrnehmung. Der Blick wird weiter. Das scheinbar Selbstverständliche wird wieder sichtbar. Aus dieser Haltung kann eine Kultur entstehen, in der Menschen sich nicht beweisen müssen, um beachtet zu werden, sondern sich einbringen können, weil sie sich ernst genommen fühlen.

Diesen Beitrag möchte ich als Herausgeber der Mediation zum Anlass nehmen, all jenen meine Dankbarkeit und Anerkennung auszusprechen, die sich in den durchaus sehr schwierigen letzten Jahren in die Gestaltung und den Vertrieb des Magazins eingebracht haben. Geht es doch darum, der Mediation und allen kommunikativ orientierten Verfahren und Methoden Anerkennung, Wertschätzung und Verankerung in der Gesellschaft zu verschaffen. Dank also allen Autoren, Kolumnisten, dem Redaktionsteam und insbesondere Cornelia Heinrich für ihre unermüdliche qualitätsvolle Redaktionsarbeit.

Und auch an jene, die das Magazin gern weiterempfehlen, und an jene, die uns mit kritischen Impulsen begleiten. Es ist nicht einfach, in diesen digitalen Zeiten weiterhin mit einer Printausgabe zu erscheinen. In diesem Sinne sind wir wohl die „letzten Mohikaner“ – mit einer beachtlichen Auflagenhöhe. Gleichzeitig haben wir auch eine App mit allen Ausgaben und einer KI im Netz für jene, denen Papier zu sperrig und unbequem ist. Mein Dank und meine Anerkennung, verbunden mit Wohlwollen, gilt allen, die uns verbunden sind und gewiss auch mit dieser Ausgabe der Mediation wieder interessante, anregende und erkenntnisreiche Lektüre lesen werden.

Mit mediativen Grüßen

Ihr Gernot Barth

 

Der Beitrag von Herausgeber Prof. Dr. Gernot Barth erschien in der neuesten Ausgabe "Anerkennung" von DIE MEDIATION.  

 

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